Aufsatz 
Der Neubau der Liebig-Oberrealschule i. E.
(Nach den Mitteilungen des Hochbauamtes)
Entstehung
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Die Aula ist als Festraum etwas reicher gehalten; sie hat am unteren Teil der Wände graublau gebeizte Tannenholzvertäfelung und darüber Unterputz. Die Kassetten- decke ist ganz, die Wände sind teilweise bemalt. Die großen Aulafenster sind mit bunter Bleiverglasung versehen, um dem Raum eine geschlossene Wirkung zu geben. Der an die Aula stoßende Singsaal kann bei festlichen Veranstaltungen zur Aula zugezogen werden. Er ist mit dieser durch drei Bogenõffnungen verbunden, die durch starke, dunkelgelbe Vorhänge geschlossen werden können.

Ein großes Sängerpodium mit Rednerpult ist an der einen Stirnseite gegenüber dem Singsaal und der Empore geschaffen. An der Wand hinter dem Podium ist Raum zur Anbringung eines großen Freskobildes gelassen. Vor dem Aula-Eingang liegt eine ge- räumige Halle, die als Kleiderablage benutzt werden kann. Das Aulaportal selbst ist mit reicherem, plastischem Schmuck versehen und zeigt in seinem Aufsatz einen musiazi- renden Knaben. Das Aulaportal und der Vorraum sind reich bemalt.

In allen Geschossen befinden sich Wandtrinkbrunnen, ferner elektrische Pausen- und Feueralarmsignale.

Selbstverständlich ist das neue Gebäude mit allen modernen hugienischen Einrich- tungen versehen, wie Zeniralheizung, Lüftungsanlage und elektrischer Beleuchtung; ferner mit Haustelephonanlage und Anschluß an das städtische Fernsprechamt. Das Dienstwohngebäude enthält im Erdgeschoß die Schuldienerwohnung, in den beiden Ober- geschossen die Direktorwohnung in den üblichen Abmessungen. Jede der beiden Woh- nungen hat besonderen Eingang.

An Baukosten waren einschlieblich Dienstwohngebäude und Mobiliarbeschaffung mit Epidiaskop und Projektionsapparat für den naturwissenschafilichen Unterricht insgesamt 874,000 Mark von den städtischen Behörden bewilligt worden. Die Projeklierung des Neubaues erfolgte zuerst von der IV. Hochbau-Inspektion, um dann nach Wegzug des Herrn Bauinspektors Kanold in der Abteilung des Herrn Stadtbaumeisters Moritz, unter Beibehaltung des Grundrisses, weiter bearbeitet zu werden. Herrn Stadtbaumeister Moritz standen bei der architektonischen Bearbeitung die Herren Architekten Oberle und Simon zur Seite. Die örtliche Bauleitung hatte Herr Architekt Schober.

Mit dem neuen Gebäude sind der Schule die Vorbedingungen zu einer guten Weiterentwicklung als Oberrealschule geschaffen, und dem Stadtbilde ist ein weiterer Monumentalbau gegeben, der sich würdig der Reihe unserer höheren Schulen angliedert.

Anm.: Die Kunstdrucke sind nach Photographien von Herrn Prof. Krauth von der graphischen Kunstanstalt von Werner und Winter hergestellt; ebenso das Relief Liebigs auf der Rück-

seite des Umschlags; das Bild der Schule auf der Vorderseite nach einer Federzeichnung des Hochbauamtes, Abt. C.