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und hielt seine Hand. Plötzlich ging ein Zucken über sein Antlitz, dann sank sein Haupt zurück und einer der edelsten und größten Männer unseres Volkes weilte nicht, mehr unter den Lebenden.
Nach der Sitte der Stadt wurde er in aller Stille am 12. Mai in der Nacht zwischen 12 und 1 Uhr in der St. Jakobskirche bestattet. Später wurden seine Gebeine in der Fürstengruft zu Weimar beigesetzt. Neben Goethes Sarg findet man heute den Sarg Schillers, beiden Särgen sehr nahe in der Mitte des Gruftgewölbes steht der Sar des Großherzogs Karl August von Weimar, der beiden Dichterfürsten ein Freund un Mäcenas war. Wie eine Schreckenskunde flog die Nachricht von dem Tode Schillers durch Deutschland und erschütterte alle Herzen.
Dem Gefühl der allgemeinen Trauer gab König Ludwig I. von Bayern Ausdruck, wenn er an Charlotte von Schiller schreibt: ,‚Nicht Sie allein trauern um Schiller; viele Tausende betrauern ihn. Nicht Ihnen war er nur, er gehörte seinem ganzen deutschen Volke, dessen Ruhm der Edle erhöhte.“
Aufs tiefste war Goethe bewegt. ‚In dem Freunde verliere ich die Hälfte meines Daseins', klagte er.
Er hat auch dem tiefbeklagten Freunde in dem sogenannten ,Epilog zu Schillers Glocke“ ein unvergängliches Denkmal gesetzt; in diesem hat er das dichterische Wesen und Schaffen seines Freundes in liebevollster und zutreffendster Weise gezeichnet, aber auch dessen sittlich hohes Streben und Handeln in eindringlichsten Worten gepriesen, welcher Preis besonders in den Worten gipfelt:
Denn er war unser! Mag das stolze Wort
Den lauten Schmerz gewaltig übertönen.
Er mochte sich bei uns im sichern Port
Nach wildem Sturm zum Dauernden gewöhnen. Indessen schritt sein Geist gewaltig fort
Ins Ewige des Wahren, Guten, Schönen,
Und hinter ihm in wesenlosem Scheine
Lag, was uns alle bändigt, das Gemeine.
Wir haben alle segensreich erfahren,
Die Welt verdank' ihm, was er sie gelehrt.
Schon längst verbreitet sich's in ganze Scharen, Das Eigenste, was ihm allein gehört.
Er glänzt uns vor, wie ein Komet entschwindend, Unendlich Licht mit seinem Licht verbindend.“
5. Idyll aus der Musik zu„Wilhelm Tell“ von C. Reinecke.
6.„Das Lied von der Glocke“, vorgetragen von Otto Kleinert (VIII.) und Hans Nager(VII.).
7. Jägerlied aus„Wilhelm Tell“ von A. Fesca, gesungen von Schülern des Obergymnasiums.
8.„Der Graf von Habsburg“, vorgetragen von Siegfried von Schuetzenau-Trenck(IV. a).
9. a) Fischerlied aus„Wilhelm Tell“ von J. Hoven; b) Reiter- lied aus„Wallensteins Lager“, Volksweise von Chr. Jak. Zahn(1789).
Dirigent der Chöre: der Gesangslehrer der Anstalt Ehrenchormeister Herr L. Wegschaider; Dirigent der Orchesterstücke: Norbert Sieber(VII.).
Am 14. Mai empfingen vier Schüler die erste heilige Kommunion in festlicher Weise. Bei dieser Feier, die durch die Anwesenheit von Eltern und Verwandten der Kommunikanten noch gehoben wurde, brachte der Gymnasial-Sängerchor unter der trefflichen Leitung des Chormeisters Leopold Wegschaider eine vierstimmige Vokalmesse in vorzüglicher Weise zur Aufführung; auch die Orchesterbegleitung wurde, sowie bei der Festmesse am 4. Juli, auf das anerkennenswerteste von Schülern der Anstalt besorgt.
Zu den Pfingstfeiertagen empfingen 37 Schüler das heilige Sakrament der Firmung. Für diesen heiligen Akt sowie für den Empfang der ersten heiligen Kommunion waren die Schüler besonders vorbereitet worden.
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