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6. Intermezzo aus„Cavalleria rusticana“ von Mascagni, vorgetragen vom Schülerorchester unter der Leitung des Oktavaners Theodor Birnbacher.
7. Festrede, gehalten vom Herrn Regierungsrate Direktor Dr. Artur Steinwenter.
„Nicht bloß pflichtgemäßes dynastisches Gefühl vereint uns heute in diesem festlich geschmückten Saale, nicht bloß der lebhafte Herzensdrang, dem allgeliebten Lenker des Reiches unsere treuergebensten Huldigungen ehrfurchtsvoll zu Füßen zu legen, sondern auch der patriotische Antrieb, des hundertjährigen Geburtstages unserer Monarchie, des österreichischen Kaiserstaates, zu gedenken, der Tatsache, daß vor zehn Jahrzehnten, am 11. August 1804, die bis dahin nur durch die Person des Herrschers vereinten Königreiche und Länder unbeschadet der verbrieften Rechte der einzelnen Fürstentümer und Kronen und des Verhältnisses zum Deutschen Reiche zu einem Staate als Kaisertum Osterreich durch ein offenes Allerhöchstes Handschreiben zu- sammengefaßt wurden.
Zwar hatte der Schlachttag von Mohacs 1526, als der letzte Jagellone im blutigen Ringen mit dem mächtigsten der türkischen Sultane Thron und Leben verlor, die Krone von Ungarn und Böhmen den das Ostalpengebiet beherrschenden habsburgischen Her- zogen und deutschen Kaisern aufs Haupt gedrückt und ihre Sonderstellung in Bezug auf diese Länder, deren Losschälung vom Deutschen Reiche und Selbständigmachung vorbereitet und begründet und schon zu Leopold I., des Türkenbesiegers, Zeiten wurde
sterreich als eine Welt für sich politisch betrachtet; aber das alles waren nur innerlich für sich bestehende Tatsachen, denen die äußerlich zutage tretende Form, der be- zeichnende Name fehlte.
Das Bedürfnis eines solchen war jedoch solange nicht gegeben, als die höchste Würde der abendländischen Christenheit, die deutsche Kaiserkrone seit 1439 die ruhm- vollen Häupter der habsburg-lothringischen Regenten— der Zwischenfall von 1742 bis 1745 wollte wenig bedeuten— dauernd zierte.
Als aber um die Wende des 18. Jahrhundertes der korsische Emporkömmling mit gewaltiger Faust auf das morsche Gerüst des Deutschen Reiches schlug, als der Fürsten Uneinigkeit und Selbstsucht, der Völker politische Zerrissenheit und mangelnder nationaler Sinn einen nachhaltigen, erfolgreichen Widerstand nicht erhoffen lieben, sondern wie dies die seit dem Rastätter Kongreß 1799— 1803 die Neuordnung Deutschlands betreffenden Verhandlungen offen klarlegten, ganz in den Bann des ge- waltigen Eroberers traten, als das Reich sich selbst aufgab, da ward es unzweifelhaft klar, daß die zum Phantom herabgesunkene deutsche Kaiserwürde bald nur einen Namen ohne Inhalt, einen Titel ohne Reich, ohne Macht bedeuten würde, während andrerseits Napoleons Streben, die höchste Rangstufe der Fürstenhierarchie zu erklimmen und das Cäsarendiadem sich um die lorbeergeschmückte Stirne zu winden, immer offener zutage trat.
Und wenn auch Franz II. 1804 seiner Stellung im Deutschen Reiche noch nicht formell entsagte, so sah er doch schon mit Sicherheit den Tag voraus, wo er dieser seiner Bürde ledig sein werde, und um nun dem werdenden Franzosenkaiser gleich- gewichtig auch nach Verzicht auf den deutschen Thron gegenüber stehen zu bleiben, um auch äußerlich an seiner altererbten Würde nichts einzubüßen und die nunmehr auf sich allein angewiesene Macht seines Ostreiches als ebenbürtig mit der einstigen hinzustellen, beschloß er am 1. August 1804, die bis dahin scheinbar, wenigstens für die Außenwelt, vornehmlich nur durch Personal-Union verbundenen Lünder des habs- burgischen Gebietes durch eine gemeinsame Bezeichnung auch für die ganze Welt als ein Reich mit einem Namen und einer Herrscherwürde aufzurichten. Am 10. August war das Patent ausgefertigt, am 11. wurde es veröffentlicht. An die Stelle des Königs von Ungarn und Böhmen, wie noch die girondistische Kriegserklärung vom 20. April 1792 Franz II. nennt, trat nunmehr der Kaiser von Osterreich. Und diese Kaiser von Osterreich haben allein und im Bunde mit anderen Fürsten den französischen Imperator niedergerungen, den Usurpator entthront, die Höhle der revolutionären Stürme, unter denen Europa soviel gelitten hatte, geschlossen, Frieden und Ordnung dem zerrütteten Erdteile wieder zurückgegeben; diese Kaiser von Osterreich haben ein Menschenalter später den neuerdings von Frankreich ausgehenden Umsturz des Bestehenden, der auch ihr Reich mit gewaltiger Erschütterung heimsuchte, mit starker Hand aufgehalten, das wankende Reicltsgebäude wieder befestigt und in neuen, lebenskräftigeren Formen aufgerichtet, diese Kaiser von Osterreich waren stets ein Hort des Friedens und fried- lichen Fortschrittes, vor allem unser erhabener Monarch, unter dessen fürsorglicher Regierung auf allen Gebieten geistiger und materieller Kultur, geistiger und materieller


