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Den Bericht zu 1) gab Fräulein Oberlehrerin Haaſe; ſie erörterte zuerſt eine Reihe ſtörender Erſcheinungen, die ſich aus der Organiſation der höheren Mädchenſchule und ihrer Neuordnung ergeben: Rückgang der Leiſtungsfähigkeit der Oberklaſſen nach Abgang tüchtiger Schülerinnen in die Studien⸗ anſtalt, Übermüdungserſcheinungen infolge der Erhöhung der Stundenzahl auf allen Stufen; unver⸗ mittelt ſchroffer UÜbergang von der VIII. zur VII. Klaſſe; verfrühter Anfang des franzöſiſchen Unterrrichtes, ſtörende Rückwirkungen der Kurzſtunde, Mißſtände, die mit dem Berechtigungsweſen des Lyzeums verbunden ſind.
In kurzen Ausführungen berührte die Berichterſtatterin dann die Umſtände, die zu allen Zeiten das Vertrauen des Kindes zu ſeinen Lehrern untergraben müſſen: die Kritik der Schule vor den Ohren der Kinder, Nichtbeantwortung von Mitteilungen, Nichtbeachtung einer Aufforderung, die Schul⸗ ſprechſtunde zu beſuchen, Beſchwerden über Schulverhältniſſe ohne vorhergehende Ausſprache mit den betreffenden Fachlehrern und-lehrerinnen.
Danach ging Fräulein Haaſe zum Hauptpunkte ihres Vortrages über. Sie führte aus, wie weit ein tatſächlich beſtehendes Mißtrauensverhältnis weiter Kreiſe der Schule gegenüber aus Zeit⸗ ſtrömungen zu erklären ſei. Nachdem ſie der Entſtehung einer kritiſchen Stellung zur Schule und zu Schulforderungen nachgegangen war, zeigte ſie, in wie weitgehendem Maße Schule und Haus ſich bemüht haben, modernen Forderungen Rechnung zu tragen: Verbeſſerung der Schulhäuſer, der Anſchauungs⸗ und Lehrmittel, der Lehrbücher, der Methode des Sprachunterrichtes; neue Bahnen des Schulturnens, der Schulſpiele; Unterſtützung der modernen Jugendbewegung, ſoweit ſie den Kindern Geſundheit, Freude an der Arbeit und Achtung vor berechtigten Forderungen der Familie und Schule erhält; Ausnutzung der ſchulfreien Nachmittage. Die Vortragende entwickelte ferner, daß mit den freien Nachmittagen die Eltern wieder in höherem Maße als früher die Verantwortung für das Gedeihen der Schuljugend übernehmen mußten, daß ein von ihnen geduldetes Übermaß von Zer⸗ ſtreuungen und Vergnügungen ebenſo ſchädigend wirke, wie die glücklich vermiedene Überlaſtung durch die Schule.
In ihren Schlußausführungen beſprach Fräulein Haaſe die Aufgabennot unſerer Zeit.„Die Schule muß Aufgaben verlangen, ſchon deshalb, weil die treue Erledigung der täglichen Hausaufgaben unbedingt charakterbildend iſt, mehr noch als die ſtändig überwachten Arbeiten in der Schule. Ein übertrieben ängſtliches Feſtſtellen der Arbeitszeit für jedes Fach erzieht zu Trägheit und zu falſchen Pflichtbegriffen; wirkliche Überlaſtung der Kinder können und ſollen die Eltern durch vertrauensvolle Mitteilung an die betreffenden Lehrer verhindern In einer Zeit, die das Ausleben in Vergnügungen, das Aufgehen in Körperkultur ſo unendlich wichtig nimmt, kann die Schule gar nicht genug an der Forderung gewiſſenhafter Pflichterfüllung feſthalten, aber auch die beſte Schule wird nur dann lebens⸗ tüchtige Perſönlichkeiten erziehen können, wenn ihre Arbeit von der des Elternhauſes unterſtützt und gefördert wird.“
In der anſchließenden Erörterung wurden auch aus den Kreiſen der Eltern heraus Mißſtände der Kurzſtunde vorgebracht. Da dauernde Vermeidung von 6 aufeinander folgenden Vormittagsſtunden anders kaum möglich ſcheint, wurde die Forderung einer Verminderung der wöchentlichen Stundenzahl auf allen Stufen geſtellt. 4
Winterausflüge in den Taunus unternahmen die Klaſſen I—III und Vb.
Die oberen Klaſſen beſuchten auch in dieſem Jahre wiederholt zu ermäßigten Preiſen das Opern⸗ und das Schauſpielhaus. Auch Beſuche von geſchichtlich merkwürdigen Orten, Häuſern, Denk⸗ mälern u. a. fanden ſtatt.


