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Nachdem inzwiſchen zufolge eines Runderlaſſes vom 18. Januar 1911 die in vaterländiſchem Geiſte geleiteten Jugendvereine faſt überall weiter ausgebaut ſind, erſcheint es im Intereſſe der öffentlichen Jugendpflege geboten, alle Schüler und Schülerinnen während des letzten Schuljahres in geeigneter Weiſe auf derartige Veranſtaltungen hinzuweiſen und möglichſt wirkſam anzuregen, nach der Schulent⸗ laſſung ſolchen Jugendvereinigungen beizutreten.
III. Zur Geſchichte der Anſtalt.
1. Veränderungen im Lehrerkollegium.
Im letzten Jahresbericht wurde bereits mitgeteilt, daß die ordentliche Lehrerin Fräulein Berta Schreyer mit dem Ende des Schuljahres 1912/13 aus dem Kollegium ausſcheiden würde. Ihre feierliche Entlaſſung fand am Freitag, den 18. März in unſerm Feſtſaal ſtatt. Der U. ſchilderte ihre große Begabung für den Unterricht und für die Erziehung, pries ſie als eine gottbegnadete Lehrerin, die es vor allem verſtanden habe, das religiöſe Gefühl der Kinder zu erwecken, und wünſchte ihr zum Schluß einen heiteren, ſorgenfreien Lebensabend. Im Auftrage des Miniſters der geiſt⸗ lichen uſw. Angelegenheiten überreichte er ihr zum Schluß ſeiner Anſprache eine Kunſtdruckbibel. Schülerinnen aus den Klaſſen VIb und VIIb, die Fräulein Schreyer geführt hatte, brachten Blumen und Geſchenke, im Namen des Lehrerkollegiums ſprach Fräulein Julie Meier Worte des Dankes und der Anerkennung und übergab der ſcheidenden Amtsgenoſſin ein Bild von Böcklin„Die Jünger auf dem Wege nach Emmaus“. In längerer Rede dankte dann Fräulein Schreyer für alle Beweiſe der Liebe und des Vertrauens, pries den Lehrerberuf als den ſchönſten und ſprach auch herzliche, mahnende Worte an die Schülerinnen.
Am Ende des Sommerhalbjahres ſchied Fräulein Anna Seßler aus dem Kollegium, um in den Ruheſtand zu treten, nachdem ſie bereits ſeit Oſtern beurlaubt war. Fräulein S., im Jahre 1855 zu Frankfurt a. M. geboren, beſuchte in ihrer Vaterſtadt das Inſtitut von Scholderer und Lindner und trat dann in die Selekta der Mädchen-Muſterſchule ein, um ſich auf den Lehrerinnenberuf vor⸗ zubereiten. 1874 beſtand ſie die Prüfung für höhere Mädchenſchulen. Nachdem ſie mehrere Jahre auswärts als Erzieherin gewirkt hatte, wurde ſie im April 1878 als Hilfslehrerin an die Humboldt— ſchule berufen und am 1. Juli 1879 endgültig angeſtellt. 35 Jahre war ſie alſo an unſerer Anſtalt tätig und hat viele Schülerinnengeſchlechter an ſich vorbeiziehen laſſen. Sie war ſtreng in ihren An⸗ forderungen an ſich ſelbſt und verlangte auch tüchtige Leiſtungen von den Schülerinnen, die ſie wegen ihrer Unparteilichkeit und Gerechtigkeitsliebe ſchätzten. Unermüdlich tätig, ſuchte ſie immer nur das Beſte der ihr anvertrauten Kinder und förderte deren Heranbildung zu tüchtigen Menſchen. Ihrer Entlaſſung aus dem Schuldienſt konnte ſie wegen Krankheit nicht beiwohnen. Der U. dankte ihr vor der Schulgemeinde für ihre treue Arbeit und für ihre Gewiſſenhaftigkeit in der Schule und überſandte ihr im Namen des Miniſters der geiſtlichen uſw. Angelegenheiten eine Kunſtdruckbibel. Das Kollegium ſtiftete ihr„Die drei Wahrzeichen der Stadt Frankfurt a M.“, eine Radierung von Mannfeldt und wünſchte ihr, daß ſie die ihr zuteil gewordene Muße genießen und frei von den Beſchwerden des Alters an der Weiterentwicklung unſrer Stadt teilnehmen möchte.


