Aufsatz 
Bemerkungen zur Besiedelungsgeschichte des Untermainlandes in frühmittelalterlicher Zeit : 2. Teil
Entstehung
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und Erbpacht gegen Zins, zu Schenkungen an kirchliche Anſtalten, zur Überweiſung von Nutzungs⸗ rechten in beſchränkten Grenzen. Frankfurter Kirchen und Klöſter erhalten die Erlaubnis, ſich aus dem Reichsforſte mit dürrem Holze(Urholz) zu verſehen, Reichsminiſterialen empfangen Rottland zu eigen(in proprium!) alſo der König iſt hier wirklich Grundherr, Weiderechte), die Stadt Frankfurt Holz zum Brückenbau uſw. Der wirtſchaftliche Ausbau der forestis erfolgt ſeitens des Königs ſelbſt aber durch die Anlegung von Königshöfen und villae, die adminiſtrativ zu Fiskalgebieten oder beſſer bezirken zuſammengeſchloſſen werden, aber auch vereinzelt anzutreffen ſind. Solche ſisci ſind z. B. Frankfurt(ſ. u.), Trebur, dem Langen angegliedert iſt(ſ. P I, Nr. 6), Gernsheim; dazu treten einzelne villae regiae und curtes, und auch in den nichtköniglichen Orten hat der König hier und da Streu⸗ beſitz, der zuweilen der Reſt eines urſprünglich vollſtändigen Beſitzes des Ortes ſein kann. Aber auch dann, wenn aus dem Orte alles verſchenkt iſt, erliſcht das Recht des Königs hier nicht völlig. Als Pipin 766 Juli die villa[Groß- oder Klein⸗] Umſtadt an Fulda überträgt das älteſte Beiſpiel einer Erwähnung von verliehenem Königsgut in unſerer Gegend, bezeichnet er das Schenkungs⸗ objekt mit den Worten:[donamus] villa aliqua noncupante Autmundisstat.... cum omnibus terminis vel appendiciis suis... cum oinni integritato... praedicta villa una cum terris, domibus, aedificiis, accolabus, mancipiis, salvis(für silvis), campis, pratis, pascuis, aquis aduarumve decursibus, mobilibus et immobilibus, alſo die gewöhnliche Pertinenzformel. Danach ſollte man annehmen, daß die ganze villa mit ihrer Mark vom Könige verſchenkt ſei. Aber der Nachſatz: quicquid praesenti tempore nostra ibidem videtur esse possessio lehrt, daß der König nur verſchenkt, worüber er verfügen kann. Auf ſolche ungemein häufige, auch in unſerer Gegend vorkommende Fälle macht Dopſch S. 119 fg. mit Recht aufmerkſam, und wir wiſſen, daß Fulda aus Umſtadt auch von privater Hand Schenkungen erhält. Dopſch erwähnt auch den gleichen Fall Dienheim bei Oppenheim, einer villa nostra, und Roßdorf in Heſſen, und zeigt S. 227, daß von dort 36 Tra⸗ ditionen an Fulda ſeitens Privater erfolgen. Es ſind in der Zeit bis etwa 840 aber tatſächlich weit über 100 Fälle, da Lorſch hier im Laufe eines Jahrhunderts oder noch weniger faſt den ganzen Ort erworben haben muß und auch andere Klöſter hier Beſitz haben. Trotzdem heißt auch noch im 9. Jh. die villa Dienheim villa nostra, und begegnet hier immer noch Königsgut. Dieſer und der ähnliche Fall Roßdorf werden demnächſt in einem andern Zuſammenhang vom Vf. behandelt werden; daher hier nur der kurze Hinweis.R)

Die Verwaltung der Dreieich, das Inſtitut der korestarii mit ihren Wildhufen, deren wir im 14. Jahrh. 36 begegnen, kann hier nicht behandelt werden; es ſei nur angedeutet, daß wir hier noch am Ausgang des Mittelalters die Organiſation der forestarii und einen magister forestarius antreffen, daß es auch einen(Ober- Forſtmeiſter des bei Frankfurt liegenden Waldes gibt, den Schult⸗ heißen von Frankfurt, der, wohl als den eigentlichen Fachmann, einen subforestarius hat(z. B. FUB 1, 954 a. 1312), der auch den Namen custos forestae führt. Sein Amtsbereich erſtreckt ſich

¹) Dem Deutſchen Orden Friedrich II. 1221: concedimus... bpascua animalibus eius, exceptis ovibus et pecoribus, in silva nostra bei Sachſenhauſen(FIB 1, 55). Auch Rottland hat der Orden hier(PUB 1, 318), ebenſo andere(I. 403)

²2) MGDD) Karol. I, Nr. 21= E. Stengel, OB. d. Kloſters Fulda l, 1, Nr. 43(1913). Bemerkenswert iſt für Umſtadt, daß Eigil in der Vita Sturmi cap. 21(SS. II, 375) von Pipin ſagt: habebat enim locum familiari- tatis non modicum, ut fiscum id est OQmunstat, cum omnibus, quae in illa villa antiqui reges possidebant; die jüngere Faſſung Rudolfs(ſ. Stengel S. 74) hat: ut fiscum regalem Qmunstat etc. Hier iſt, alſo ein Hinweis auf ſchon merowingiſchen Beſitz, bei Eigil aber eine Vermiſchung von res familiaris (Stammgut?) und fiscus. Der Ortsname enthält einen Perſonennamen(Autmund)! Es kann alſo hier ſehr altes, zum Fiskus gezogenes fremdes Eigentum ſein?