1. Bemerkungen zur Beſtedelungsgeſchichte des Antermainlandes in frühmittelalterlicher Zeit.
II.
Auch der vorliegende zweite Teil der im„Jahresbericht der Humboldtſchule“ 1911 begonnenen Arbeit bringt nicht ihren Abſchluß, weil der Stoff ſich höher angehäuft hat, als es vorauszuſehen war. Denn die Erforſchung der Siedelungsverhältniſſe in dem behandelten Zeitraum iſt nicht nur mit beſonderen Schwierigkeiten verbunden, macht nicht allein ein Eingehen auf die römiſche Zeit, auf das Mittelalter und hier und da ſelbſt die Neuzeit notwendig, ſondern verlangt auch eine eingehendere Erörterung zahlreicher mit dem Siedelungsweſen in Verbindung ſtehender Fragen: der Ausgrabungen, der politiſchen, der Rechts⸗ und der Wirtſchaftsgeſchichte, des Straßenweſens, der Ortsnamen u. a. m. Es kommt hinzu, daß die Forſchung der letzten 4 Jahre ganz neue und bedeutungsvolle Fragen auf dem Gebiete der fränkiſchen Zeit zur Behandlung geſtellt hat, zu denen der Vf. Stellung nehmen mußte. Genannt ſei vor allem für die allgemeinen Verhältniſſe A. Dopſch,„Die Wirtſchaftsent⸗ wicklung der Karolingerzeit....“ I(1912), der zwar keine neue Wirtſchaftsgeſchichte dieſer Periode ſchreiben, aber durch ſein Buch die Notwendigkeit einer neuen Grundlegung der deutſchen Wirtſchafts⸗ geſchichte erhärten will und, von dem Wege des Theoretiſierens ablenkend, wieder zu den Quellen— tatſachen zurückkehrt. Für die örtliche Forſchung aber legte das 1913 erſchienene Werk von Georg Wolff,„Die ſüdliche Wetterau in vor⸗ und frühgeſchichtlicher Zeit. Mit einer archäologiſchen Fund⸗ karte“, den Grund und Boden feſt, auf dem die Siedelungen des Mittelalters ſelbſt ſich aufbauten. Dieſes muſtergültige Werk, das in ſeiner ſicheren Methodik und ſtrengen Gewiſſenhaftigkeit wie in der Fülle des herangezogenen Materials auch für andere Teile Deutſchlands ein Vorbild bleiben wird, hat dem Vf. auch für den von ihm behandelten Zeitraum unſchätzbare Dienſte geleiſtet. Da es nur einen Teil ſeines Gebietes behandelt, ſo wird dem Leſer ſofort der Abſtand in der Sicherheit der Darſtellung klar werden da, wo er ſich nicht auf Wolff ſtützen konnte, ſondern ſelbſt aus zahlreichen Einzelſchriften ſich— nicht immer ſicheren— Rat holen mußte. G. Wolff hat dann noch 1913 in Hendſchels„Luginsland“ Heft 41 einen größeren Gebietsausſchnitt aus ſeinem erſten Werke in zu⸗ ſammenfaſſender Form für weitere Kreiſe dargeſtellt und auch die fränkiſche Zeit S. 107 ff. behandelt.
Der zweite Teil unſerer Arbeit beſchäftigt ſich im Anfange eingehender, als es die Erforſchung des Siedelungsweſens eines enger begrenzten Landſtriches zu fordern ſcheint, mit einigen Fragen der Rechts⸗ und Wirtſchaftsgeſchichte, immer jedoch im Hinblick auf die geſtellte Aufgabe. Die Lokal— forſchung kann unmöglich der Stellungnahme zu allgemeinen, noch nicht völlig geklärten Fragen ſich entziehen, wenn ſie nicht den Zuſammenhang mit dem Ganzen der Wiſſenſchaft verlieren will. Gerade das Werk von Dopſch lehrt, daß die Nachprüfung geltender Anſchauungen oder noch in Erörterung


