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Lehre, der neuen Gottesanbetung einweihte. Bald bildeten die Anhänger eine förmliche Secte, die ſich ſelbſt die der Michelinen nannte, und von Anfang an nicht ohne Beziehung zu Fenelon's Zögling, dem Herzog von Bourgogne, war. Ein damals erſchienener Kupferſtich gibt davon Zeugnis. Er ſtellt den Herzog von Bourgogne dar, mit dem Schäferſtab in der Hand, als den Hirten der neuen Ge⸗ meinde, den Prieſter der reinen Liebe, den Beſieger der Sünde, mitten unter einem Haufen Thiere verſchiedener Art, welche die von ihm niedergeworfenen Leidenſchaften bedeuten; der Herzog von Anjou zieht eine Schlange, die ſich zu verbergen ſucht, aus ihrer Höhle, während den jüngeren Bruder des Prinzen Frau von Guyon als Amme in den Armen hält.
Fenelon war der Führer dieſer neuen Gemeinde; die Herrſchaft die er über die Gemüther jenes Kreiſes übte ward immer unbeſchränkter. Es gab keine Sache über welche er nicht um Rath gefragt worden wäre, nicht nur über die religiöſen Wünſche und Bedürfniſſe ſeiner Freunde, ſondern auch über die häuslichen, ja die politiſchen Angelegenheiten. Auch dann, als Fenelon fern von Paris und Verſailles in einem ehrenvollen Exil lebte, bewahrte er dieſe Leitung der ihm Ergebenen. Seine Briefe aus Cambrai an Bourgogne, Beauvilliers, Chevreuſe u. ſ. w. ſind Antworten auf ausführ⸗ liche Berichte über die Verhältniſſe, den Seelenzuſtand u. ſ. w. des Schreibers, und gehen auf die kleinſten Einzelheiten ein. Er tadelt Chevreuſe's Neigungen, den esprit subtil et minutieux in religiöſen Dingen wie in den Geſchäften, ſeine ancienne prévention en faveur des gens raison- neurs et rigides; denn auch Chevreuſe hatte ſich, von aufrichtigem religiöſem Streben getrieben, an die ſtrengen Denker, die Janſeniſten, früherhin mehr angeſchloßen. Fenelon ſchreibt ihm vor, wie und wann er ſeine Oraiſon verrichten ſolle und könne, daß kein Ort und keine Zeit dazu ungeeignet ſei, auch im Wagen, auf der Fahrt nach Verſailles ſei dazu die Möglichkeit vorhanden, damit er nur von dem esprit curieux et empressé befreit werde. Lisez(l'évangile) lentement et à mesure que quelque parole vous touche, faites-en ce qu'on fait d'une conserve qu'on laisse long- temps dans la bouche pour l'y laisser fondre. Freilich nicht Alle waren ihm in dieſem Grade ergeben; der andere Freund Beauvilliers wird étroit genannt, er bewahrte nach Selbſtſtändigkeit, Chevreuſe ſoll ſich einen andern Vertrauten ſuchen. Bei der Verheirathung ſeines Sohnes wendet Chevreuſe ſich an Fenelon, wie bei der Behandlung und Leitung ſeiner Schwiegertochter, die ihm zu weltlich iſt. Vorſichtig räth Fenelon: er ſolle ihr nicht unbedingt weltliche Zerſtreuungen ver⸗ bieten, ſolle ſie erſt allmählich von Oper und Comödie zurückzubringen ſuchen, beſonders aber ſie einem guten Beichtvater überlaſſen, qui fera le reste. Wichtiger ſind die Briefe in welchen Fenelon politiſche Angelegenheiten beſpricht. Werden Aemter beſetzt, wobei ſeine Freunde einwirken können, ſo wird ſein Rath eingeholt, der zuweilen recht bezeichnend für die Beurtheilung ſeines Charakters iſt. Un impie de bon sens et de vie réglée est beaucoup mieux qu'un Janséniste ou un dévot favorisant le jansénisme. Als der ſpaniſche Erbfolgekrieg ausbrach, werden Fenelon's Briefe noch bedeutſamer, mitunter für die Geſchichte ſelbſt wichtig. Es gibt keinen politiſchen, ja mili⸗ täriſchen Gegenſtand den er nicht berührte. Seine politiſchen Schriften, zu denen auch die Directions pour la conscience d'un roi gerechnet werden können, und zu denen jene zahlreichen Memoiren gehören die Fenelon über die verſchiedenſten Dinge niedergeſchrieben hat, erhalten dadurch eine ganz andere Bedeutung. Es ſind nicht theoretiſche Schriften— als ſolche hatten Leſſing und viele andere ganz recht ſie unbedeutend zu nennen— ſie enthalten vielmehr und wollen nichts anderes geben, als das Programm des einſtigen Miniſters und Staatsmannes. Es iſt begreiflich daß darin eine


