VI. Mitteilungen an die Eltern.
1. Zum Zwecke eines gedeihlichen Zusammenwirkens von Schule und Haus haben alle Lehrer eine wõchentliche Sprechstunde festgesetzt, die im Stundenplane mitgeteilt wird. In erster Linie bitten wir den Klassenlehrer aufzusuchen und, wenn möglich, ihm den beabsichtigten Besuch mindestens einen hag vorher, anzumelden, damit er vor- her mit den Fachlehrern oder mit dem Leiter der Anstalt sich ins Einvernehmen setzen kann.
2. Eine schwere Gefahr, die insbesondere durch ein verständnisvolles Zusammenwirken von Haus und Schule bekämpft werden muß, erwächst der Jugend aus der Lektüre der weitverbreiteten und leicht zugänglichen Schundliteratur, die sich aufdringlich und gewissenlos an die jungen, unerfahrenen Leser wendet. Ein ministerieller Erlaß schreibt darüber:
Die Gefahren, die durch die übernand nehmende Schundliteratur der lugend und damit der Zukunft des ganzen Volkes drohen, sind in den letzten lahren immer mehr zutage getreten. Neuerdings hat sich wieder mehrfach gezeigt, daß durch die Abenteuerer-, Gauner- und Schmutfzgeschichten, wie sie namentlich auch in einzelnen illustrierten Zeitschriften ver— breitet werden, die Phantasie verdorben und das sittliche Empfinden und Wollen derart verwirrt worden ist, daß sich die jugendlichen Leser zu schlechten und selbst gerichtlich strafbaren Handlungen haben hinreißen lassen. Die Schule hat es auch bisher nicht daran fehlen lassen, mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln dieses Ubel zu bekämpfen und alles zu tun, um bei den Schülern und Schülerinnen das rechte Verständnis für gutfe Literatur, Freude an ihren Werken zu wecken und dadurch die sittliche Festigung in Ge— danken, Worten und Taten herbeizuführen. In fast allen Schulen finden sich reichhaltige Büchereien, die von den Schülern und Schülerinnen kostenlos benutzt werden können. Aber die Schule ist machtlos, wenn sie von dem Elternhause nicht ausreichend unter— stützt wird. Nur wenn die Eltern in klarer Erkenntnis der ihren Kindern drohenden Ge- kahren und im Bewußtsein ihrer Veranftwortung die Lesestoffe ihrer Kinder, einschließlich der Tagespresse, sorgsam überwachen, das versfeckte Wandern häßlicher Schriften von Hand zu Hand verhindern, das Betreten aller Buch- und Schreibwarenhandlungen, in denen Erzeugnisse der Schundliteratur feilgeboten werden, Streng verbieten und selbst überall gegen Erscheinungen dieser Arf vorbildlich und tatkräftig Stellung nehmen, nur dann ist Hoffnung vorhanden, daß dem Übel gesteuert werden kann. Bei der Auswahl guter und wertvoller Bücher wird die Schule den Eltern wie auch den Schülern und Schülerinnen selbst mit Dat und Tat zur Seite stehen und ihnen diejenigen Bücher angeben, die sich für die Altersstufe und für ihre geistige Entwickelung eignen. Zu diesem Zwecke werden es sich die Lehrer und Lehrerinnen gern angelegen sein lassen, sich über die in Betracht kommende Jugendliteratur forflaufend zu unterrichten. Das in dem Weidmann'schen Verlage zu Berlin erschienene Buch des Direktors Dr. F. Jonannesson„Was sollen unsere Jungen lesen?“ wird den Schülern und auch den Schülerinnen wie deren Eltern als zuverlässiger Weg— weiser dabei dienen können.
In Frankfurt wird den Eltern bequem Gelegenheit geboten, gute jugendliteratur kennen zu lernen. Das städtische Schulmuseum, Große Friedbergerstraße 28, enthält eine Jugendschriften-Ausstellung, die an allen Werktagen außer Samstags nachmittags von 44— 6 Uhr unentgeltlich geöffnet ist.
3. Eine weitere nicht minder schwere Gefahr für die heranwachsende Jugend bilden gegenwärtig noch die meisten Veranstaltungen der Kinematographentheater. Fin ministerieller Erlaß schreibt darüber:
Die Kinematographentheater haben neuerdings nicht nur in den Oroßstädten, sondern auch in kleineren Orten eine solche Verbreitung gefunden, daß schon in dem hierdurch veranlaßten übermäßigen Besuche solcher Veransfaltungen, durch den die jugend vielfach zu leicht— fertigen Nusgaben und zu einem längeren Verweilen in gesundheitlich unzureichenden Räumen verleitet wird, eine schwere Gefahr für Körper und Geist der Kinder zu befürchten ist. Vor allem aber wirken viele dieser Lichtbildbühnen auf das sittliche Empfinden dadurch schädlich ein, daß sie unpassende und grauenvolle Szenen vorführen, die die Sinne erregen, die Phantasie ungünstig beeinflussen und deren Anblick daher auf das empfängliche Gemüt der lugend ebenso vergiftend einwirkt wie die Schmutfz- und Schundliteratur. Das Gefühl


