Aufsatz 
Die Entwickelung des kaufmännischen Unterrichtswesens in Frankfurt am Main bis zur Errichtung der Städtischen Handelslehranstalt
Entstehung
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I. Die Entwickelung des kaufmännischen Unterrichts- wesens in Frankfurt am Main bis zur Errichtung der Städtischen Handelslehranstalt.

(Eine geschichtliche Skizze.)

Die Anfänge der Bestrebungen, die praktische Ausbildung der jungen Kaufleute durch fachlichen U nterricht zu ergänzen, lassen sich in Frankfurt bis in das 16. Jahrhundert zurück- verfolgen. In der Ordnung des Schulgeldes vom Jahre 1623, die sich auf Vorschläge von 1591 gründet, ward festgesetzt, daß für die,so die italienische practicam, buch- halten..... zu lernen begehren, eine besondere Vereinbarung vorbehalten bleibt.*) Diese Bestimmung ist ein deutlicher Beweis, daßz in Frankfurt wie in anderen süddeutschen Städten, so vor allem in Nürnberg, dessen Schreib- und Rechenschulen im 16. Jahrhundert berühmt waren, es bereits eine ArtHandelsunterricht gab. Das eini nach einem solchen war hier wie anderwärts in Süddeutschland ohne Zweifel durch die jahrhundertlange Verbindung mit Norditalien, besonders mit Venedig, hervorgerufen und genährt worden. Allgemein war es aber nicht, und nur die Söhne reicher Kaufleute mögen wohl von der Gelegenheit, kaufmännisches Rechnen und die Buchhaltung theoretisch zu erlernen, Gebrauch gemacht haben. Dafür spricht einmal die angeführte Bestimmung selbst, die die Bezahlung für diesen Unterricht einer besonderen Vereinbarung überläft, andererseits die weitere Ent- wickelung des Schulwesens, das bei der Annahme festerer Pormen den Fachunterricht ganz beiseite läßt.

Zur Gründung von besonderen Handelsschulen führte erst das 18. Jahrhundert. In Hamburg war 1768 eine Handelsakademie errichtet worden, die dreißig Jahre lang unter der Leitung von J. G. Büsch in Blüte stand und deren Erfolge in anderen Städten zur Nachahmung lockten. In Frankfurt versuchte es daher 1785 d ehemaliger Kaufmann Friedrich Gottlieb Bartsch, eine Erziehungsanstalt für junge Wenle die sich dem Handel widmen wollen, ins Leben zu rufen.*) Nach seinem Plane, den er Büsch vorgelegt hatte, sollen die Schüler in den fremden Sprachen Französisch, lalenisen und Englisch, ferner in Rechnen, Buchhalten, Handelskorrespondenz, Handelsgeographie und in Handelswissenschaften unterrichtet werden; auch Naturwissenschaften und Technologie, Münzkunde und kaufmännische Rechtskunde, sowie Zeichnen will er berücksichtigen.

Ihm folgt N. A. Heußer, beider Rechte Doktor und Professor der Handels- wissenschaften; er tritt 1801 mit dem, Plane hervor, Vorlesungen über Handelsgeschichte, Wechsel- und Handelsrecht und Statistik der Handlung zu halten, die für Erwachsene dreimal wöchentlich, und zwar Montags, Mittwochs und Freitags abends von 78 Uhr im Gasthaus zur goldenen Feder abgehalten werden sollen; von den Zuhörern erlangte er 2 Carolins für den gesamten Kurs oder monatlich einen Dukaten.

Hatte Heußer sich nur auf einzelne, wenn auch untereinander zusammenhängende Vorlesungen beschränkt, so gehen die Versuche eines Johann Georg Clemenius und eines Dr. Kayser wieder darauf hinaus, eine Schule zu errichten. Clemenius wollte Ostern 1800 einehöhere merkantile Bildungsanstalt eröffnen, und denselben Plan hatte Dr. Kayser etwa 20 Jahre später. Er will eine zweiklassige Schule ins Leben

*) Vergl. Festschrift zur Hundertjahrfeier der Musterschule. Frankfurt 1903. S. 8. **) Vergl. B. Ziegler, Zeitschrift für das gesamte kaufmännische Unterrichtswesen 1903, No. 6, S. 162 ff.