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und noch ist und deren Lehrplan dann bestimmend für den der Realschule geworden ist. Die Lehrpläne vom Jahre 19001 drücken geradezu den Realschulen den Stempel eines Unter- und Mittelbaues der Oberrealschule auf, da sie ihnen deren Lehrplan von Sexta bis Untersekunda vorschreiben. Infolgedessen tragen auch sie mehr den Bedürfnissen der technischen und gewerblichen Berufe Rechnung als denen des Handelsstandes.
Das muß umso weniger gerechtfertigt erscheinen, als ein großer Teil der Real- schulabiturienten sich dem Handelsstande widmet. In Hamburg wurden von den Realschulabsolventen Kaufleute Ostern 1899 bis 1905 etwa 56 Prozent, in Bremen Ostern 1003 bis 1905 63 Prozent, in Leipzig Ostern 1902 bis 1905 ungefähr 45 Prozent und in Frankfurt a. M. Ostern 1908 von den Absolventen vier öffentlicher und einer Privatrealschule 65 Prozent. Gleich hoch mindestens ist der Prozentsatz bei den Schülern, die die neunstufigen Anstalten nach Abschluß der Untersckunda verlassen; in Frankfurt widmeten sich von diesen etwa 7o Prozent dem kaufmännischen Berufe. Noch ein an- derer Umstand fordert die größere Berücksichtigung des kaufmännischen Berufes in unseren Realschulen, wie denn auch Dr. Swet in seinen verschiedenen Schriften über den Gegenstand hervorhebt: das ist die zunehmende Bedeutu ng des Handels in der Wirt- schaft des deutschen Reiches. Vom jahre 1882 bis 1805 hat sich die dem Handel und Verkehr angehörende Bevölkerung des Reiches von 4 531 080 Personen auf s 966 846, d. h. um 31,5 Prozent vermehrt, und es unterliegt keinem Zweifel, daß die Berufszählung von 1905, deren Ergebnisse in der nächsten Zeit veröffentlicht werden, ein weiteres be- trächtliches Anwachsen ausweisen wird. Besonders stark ist natürlich die Zunahme der im Handel beschäftigten Personen in einzelnen Großstädten; so stieg beispielsweise die Zahl der Handeltreibenden
in Berlin von 110 544 im Jahre 1882 auf 180 916 im Jahre 1898 in Hamburg von 44 676 im Jahre 1882 auf 101 511 im jahre 1895 in Leipzig von 20 137 im Jahre 1882 auf 45 028 im Jahre 1895
in Frankfurt a. M. von 18 503 im Jahre 1882 auf 30 900 im Jahre 1895 usw.
Diese Ziffern sind deutliche Beweise für die immer stärker werdende wirtschaft- liche Bedeutung des Handelsstandes für Staat und Gemeinden, und es wäre interessant festzustellen, welchen prozentualen Anteil der Handel an den Steuererträgnissen der Kommunen, der Einzelstaaten und des ganzen Reiches hat; aus den offiziellen Steuer- statistiken läßt sich dies leider nicht feststellen. Sicher ist, daß der Handelsstand in einer Reihe von Großstädten und darunter auch in der unsrigen der hauptsächlichste Steuerzahler ist.
Darum liegt es nicht nur in seinem Interesse, sondern auch im Interesse der All- gemeinheit, wenn seine Bedürfnisse außer in dem Fortbildungsschulwesen auch in dem höheren Schulwesen Berücksichtigung finden und für ihn eine Sonderform geprägt wird, die Handelsrealschule, die, anknüpfend an das Ziel, das den Realschulen am Anfange des 19. Jahrhunderts in verschiedenen Schriften gesteckt wird,„der Jugend eine menschliche Bildung und zugleich eine zweckmäßige Vorbereitung auf den zukünftigen Beruf“ geben will. Diese Doppelaufgabe versucht sie zu lösen, indem sie einmal unter enger Anlehnung an den Lehrplan der Realschule oder der Ober- realschule in erster Linie die Allgemeinbildung ihrer Schüler fördert und anderseits durch die Durchdringung der Unterrichtsfächer mit kaufmännischem Stoff und durch Einfügung be- sonderer Stunden für die Handelsfächer ihnen ein, wenn auch beschränktes, Maß von fach- lichem Wissen vermittelt. Damit erreicht sie auch ein doppeltes Ziel: sie gewährt ihren Schülern am Schlusse des Kurses den Einjährig-Freiwilligen-Schein mit den daran geknüpften Berechtigungen und befreit ihn von dem Besuche der obligatorischen Fort- bildungsschule in den Städten, wo das Ortsstatut die Fortbildungsschulpflicht auch auf die Schüler ausdehnt, die den Einjährigen-Schein auf den allgemeinen höheren Schulen er- worben haben.


