Aufsatz 
Lehrplan für den Unterricht in der Geschichte
Entstehung
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soll. Es sind ferner grössere Abschnitte, monatliche, viertel- und halbjährliche Pensa zu wiederholen, und zwar in der Schule. Es ist nicht zu befürchten, dass dadurch das Interesse der Schüler abgestumpft werde, wenn nur die Wiederholung immer von neuen Gesichtspunkten ihren Ausgang nimmt. Der Stoff ist bald synchronistisch, bald ethnographisch, bald biographisch, bald geographisch zu gruppieren. So verhalten sich die Schüler nicht ausschliesslich rezeptiv, viel- mehr wird auch ihrer Kombinationsgabe Gelegenheit zur Bethätigung gegeben. Auch der Lehrer erhält sich bei solcher Arbeit frisch. Am Schlusse der Perserkriege z. B. mögen die Schüler zusammenstellen, welchen Anteil an denselben die Athener, die Spartaner, einzelne Feldherrn gehabt haben. In der Geschichte der Völkerwanderung ist von zahlreichen Völkerschaften bald hier, bald dort die Rede. Zum Schlusse versuche man eine zusammenhängende Geschichte eines der Völker, z. B. der Westgoten oder der Ostgoten herzustellen. Ist man in der römischen Geschichte bei dem Jahre 300 angekommen, so lässt sich auf Grund der gelegentlich gelernten Einzelheiten eine Ubersicht über die Entwickelung der römischen Verfassung geben.

Die Zahlen des Kanons sind selbstverständlich nicht erst am Schlusse des Semesters oder gar des Schuljahres zu lernen. Bei jeder geschichtlichen Thatsache hat sich der Schüler die im Kauon für dieselbe angegebene Jahreszahl zu merken. Grössere Partieen des Kanons werden zugleich mit den entsprechenden grösseren Abschnitten des geschichtlichen Pensums viederholt. Bis zum Schlusse des Jahres ist demnach der Inhalt des Kanons soweit zu lernen, als die betreffenden Zahlen im Jahrespensum vorgekommen sind. Die bereits gelernten Teile des Kanons sind in den folgenden Klassen zu wiederholen. Dabei kann dem Gedächtnis durch den linweis auf charakteristische Eigentümlichkeiten gewisser Zahlen(333, 555, 1640, 1740, 1840 u. dgl.) eine Stütze gegeben werden.

Die geschichtlichen Thatsachen vollziehen sich in Raum und Zeit; wie der Zeitfolge nach, untereinander, so stehen sie auch mit der geographischen Natur ihres Schauplatzes in einem un- mittelbaren, oft ursächlich erkennbaren Zusammenhang. Überall, wo es sich um den geo- graphischen Schauplatz geschichtlicher Ereignisse handelt, ist daher die historische Wandkarte und bei der häuslichen Wiederholung der historische Atlas zu Rate zu ziehen. Indes kann die Karte nicht jede an und für sich wichtige Einzelheit enthalten; der Lehrer wird sich daher zu- weilen genötigt sehen, eine cinfache Skizze, z. B. die Autstellung einer Schlachtordnung, ein Schlachtfeld, an die Tafel zu zeichnen.

Uberhaupt wird der geschichtliche Unterricht durch die Verwendung geeigneter Anschau- ungsmittel wesentlich gefördert. An solchen ist in der pädagogischen Litteratur der Gegenwart kein Mangel. Mit bestem Erfolg And z. B. die geschichtlichen Wandbilder von Langl aus dem IHlölzelschen Verlage in Wien zu verwenden; zudem gereichen dieselben jedem Klassenzimmer zu einem würdigen Schmuck.

Der Lehrer wird sich ferner die Gelegenheit nicht entgehen lassen, an verwandte Teile des übrigen Unterrichts anzuknüpfen. Geeignete Stücke des Lesebuchs, Gedichte historischen Inhalts, welche dem Schüler bereits bekannt geworden sind, wird er zur Belebung heranziehen und so das-Seinige dazu beitragen, dass eine fruchtbare Wechselwirkung zwischen den einzelnen Teilen des gesamten Lehrplans hergestellt werde.