— 3—
nicht mit gleicher Ausführlichkeit zu behandeln; dem Zeitraum von der Reformation ab gebührt eine grössere Berücksichtigung als der Zeit des Mittelalters“. Es darf umsoweniger verwehrt sein, diesem Plane zu folgen, als die Realschulen zu den Oberrealschulen nur im wesent- lichen in demselben Verhältnis stehen, wie die Progymnasien zu den Gymnasien. Wo also durch das starre Festhalten an diesem Verhältnis die Zwecke der Realschule gefährdet würden, muss von demselben abgewichen werden. Nun reichen aber die zwei Jahre in Tertia und Sekunda für die deutsche Geschichte nicht aus; jedenfalls käme die Zeit von 1815— 1871„2u kurz, über welche der unmittelbar ins Leben tretende Schüler ganz besonders unterrichtet sein muss. Der deutschen Geschichte sind daher die drei Jahreskurse Tertia, Sekunda, Unterprima einzuräumen. Ohne Hast lässt sich dann die Neuzeit unter besonderer Betonung der branden- burgisch-preussischen Geschichte behandeln, und es kann dem Schüler auch ein Finblick in die französische und englische Geschichte gegeben werden, wo diese sich mit der vaterländischen berührt. In Sekunda und Unterprima lässt sich dann ausserdem Zeit für eine Wiederholung der alten Geschichte erübrigen; alle vierzehn Tage eine Stunde wird genügen, um in Sekunda die griechische, in Unterprima die römische Geschichte in ihren Hauptzügen zu wiederholen. So wird es möglich, den mit dem Zeugnis für den einjährig-freiwilligen Militärdienst abgehenden Schülern cine abgeschlossene geschichtliche Bildung zu geben, bei welcher das vaterländische Element besonders betont ist. In Oberprima ist der Gesamtstoff zu wiederholen; nach Wahl des Lehrers werden einzelne Geschichtsperioden eingehender behandelt mit besonderer Berück- sichtigung der Verfassungs- und kulturgeschichtlichen Verhältnisse; von Schülern, welche sich der Reifeprüfung unterziehen wollen, darf das für eine gründlichere Behandlung dieser Dinge erforderliche Verständnis wohl erwartet werden.
Es ergibt sich demnach folgende Verteilung des Stoffes auf die einzelnen Klassen: Quarta. Im Sommersemester griechische, im Wintersemester römische Geschichte. Tertia. Deutsche Geschichte bis 1555 n. Chr.
Sekunda. Deutsche Geschichte von 1555— 1789 unter Berücksichtigung der Haupt- thatsachen der französischen und englischen Geschichte. Wiederholung der alten Geschichte.
Unterprima. Neueste Geschichte von 1789 bis zum Regierungsantritt Wilhelms II. Wiederholung der deutschen Geschichte bis 1789.
Oberprima. Wiederholung des Gesamtstoffs; eingehendere Behandlung einzelner Ge- schichtsperioden nach Wahl des Lehrers.
Von dem Stoffe, welchen die sub B. bezeichneten Lehrbücher enthalten, ist noch manches zu kürzen, anderes ganz zu streichen. Wertlos sind vor allem die einer Periode zu ihrer Charakterisierung vorausgehenden allgemeinen Bemerkungen. Solche Abstraktionen setzen die Kenntnis der konkreten Thatsachen voraus, haben also, insofern sie überhaupt in den Schul- unterricht gehören, hinter, nicht vor diesen ihre Stelle.
Die genauer bestimmten Klassenpensa sind im cinzelnen folgende:
Sexta. a) Aus der griechischen Sage und Geschichte:
Herakles, Jason, Theseus, Oedipus, Achilles, Odysseus.— Kodrus, Lykurg, Aristo- menes, Solon, Miltiades, Themistokles, Aristides und Pausanias, Sokrates, Epaminondas, Demosthenes, Alexander der Grosse.
1*


