Aufsatz 
Festrede bei der Feier des 100jährigen Geburtstages der hochseligen Königin Luise
Entstehung
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Von erschütternden Trauerfällen ist auch in diesem Jahre unsre Schulgemeinde nicht verschont geblieben.

Am 5. December starb Herr Julius Kolb, Klassenlehrer von VIb. in seinem 35. Lebens- jahre(s. seinen Lebenslauf in der Einladungsschrift des Jahres 1876, S. 62). Durch Magistrats- beschluss vom 2. Februar 1876 war er zum ordentlichen Lehrer an der Musterschule ernannt worden, nachdem er seit 1868 als Hilfslehrer in Bornheim, dann an der Weissfrauenschule ge- arbeitet hatte. Nur kurze Zeit war er unser College; aber sein frisches, kräftiges Wesen, sein reger Eifer, seine Freude an der Kinderwelt und an ihrer Bildung gewannen ihm die Herzen der Collegen, der Schülerinnen und ihrer Eltern. Wie fühlte er sich glücklich in der kaum vollzogenen Vereinigung der Vorschule mit der Töchterschule! Wie schien er auch aufzuathmen in dem neuen eigenen Hause, dessen Bau ihm manche Sorge gemacht hatte. Und wie mochte es ihm eine erquickende Aussicht sein, sein Töchterchen, das er kaum in die Schule eingeführt hatte, unter seiner Aufsicht in denselben Schulräumen zu wissen. Da raffte ihn, den lebens- kräftigen, eine Hirnhautentzündung, die ihn am 18. November ergriffen hatte, schon nach we- nigen Wochen fürchterlichster Leiden dahin. Tief erschüttert begleiteten seine Collegen, zahl- reiche Vertreter der anderen Schulen und Freunde die Hülle des Entschlafenen zu ihrer letzten Ruhestätte. Am Grabe sprach Herr Consistorialrath Dr. Jung mit innigster Theilnahme warme Worte des Trostes und der Erhebung und der Direktor widmete dem Heimgegangenen in herz- licher Anerkennung seines treuen und erfolgreichen Wirkens den Dank der Schule und seiner Collegen.

Auch in den Kreisen der heranblühenden Jugend suchte der Tod seine Opfer. Am 5. September starb die Schülerin der Klasse Vla., Ida Scholderer, Tochter des Directors der Adlerflychtschule, am Scharlachfieber. Der lieblichen Erscheinung dieses Kindes entsprach das herzgewinnende Wesen; Mitschülerinnen und Lehrer mussten sie lieb haben. Möge die Theil- nahme, die sich während der Krankheit und ihrem tödtlichen Ausgange von allen Seiten kund gab, den tiefgebeugten Eltern ein wenn auch schwacher Trost sein.

Am 8. December starb Louise Jobst, Tochter des Herrn Rendanten Heinrich Jobst, in ihrem 17. Jahre nach längerem Lungenleiden. Auf kurze Zeit hatte sie im Sommer die erste Klasse besucht, ein wegen ihres anspruchslosen, sinnigen Wesens und tiefen Gemüths von Lehrern und Mitschülerinnen werthgeschätztes Mädchen. Die allgemeine Theilnahme an ihrem und der schywer geprüften Familie Schicksal gab sich bei der Begleitung und an den Kränzen kund, die der Entschlafenen ins Grab folgten.

Am 12. December starb Eugenie Marth, Tochter des Herrn Wilhelm Marth, in ihrem 13. Jahre. War sie auch seit einem Jahre schon wegen zarter Gesundheit der Schule entzogen, so stand sie durch ihr freundliches, stilles Wesen doch bei Lehrern und Schülerinnen noch in gutem Andenken; Director und Collegen versäumten nicht, den gebeugten Eltern herzliche Theil- nahme zu bezeugen und eine Vertretung der Schule geleitete sie zu Grabe.

Wenige Wochen nachher starb die Tochter des Herrn Emil Harnack, Lucie, Schülerin der Klasse VIa., an Scharlach und Diphtheritis. Das innige Mitgefühl, das dieser ganz unerwartete Verlust hervorrief, sprach sich in der Theilnahme an der Bestattung des lieben Mädchens aus.

b. Anstellungen und Amtsaustritt von Lehrern.

Als ordentliche Lehrer wurden zu Herbst 1876 angestellt: 1) Dr. Georg Friedrich Kinkelin; 2) Eduard Joseph Müller; als ausserordentlicher Lehrer Dr. Otto Kamp.: