Aufsatz 
Bericht über die 300jährige Jubelfeier der Anstalt
Entstehung
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5. Besichtigungen. Professor Dr. Dieterich an der Universität Heidel- berg, außerordentliches Mitglied des Oberschulrats, nahm nach der Reifeprüfung am 20. und 21. Juli 1904 eine Besichtigung des Unterrichts in den alten Sprachen und in der Geschichte vor. Eine evangelische Religionsprüfung fand durch Dekan Rihm von Singen am 19. Juli 1904 statt, eine Prüfung der altkatholischen Schüler durch den Bischof Dr. Weber in Verbindung mit einer Religionsprüfung aller altkatho- lischen Schüler und Schülerinnen der Stadt in der Gymnasiumskirche am 24. Juni 1905.

6. Der Gesundheitszustand der Schüler glich dem des vorigen Jahres. Von den Lehrern hat Prof. Dr. Pacius im Herbst 1904 sechs Wochen lang wegen schwerer Krankheit und im Juni 1905 wegen Augenleidens zehn Tage lang den Unterricht aussetzen miissen. Seine Stunden konnten großenteils auf die Kollegen verteilt werden.

7. Schulfeste. Die Schlußfeier am 30. Juli 1904 war der Erinnerung an die erste Aufführung des Wilhelm Tell von Schiller geweiht; der Abiturient Anton Greinacher behandelte diese Dichtung in seiner Abschiedsrede, und mehrere Szenen aus Tell wurden von Schülern recht wirkungsvoll auf der Bühne des Stadt- theaters aufgeführt.

Der Direktor sprach über die neue Schulordnung vom 8. März 1904. Bei der Preisverteilung wurden 31 Schüler ausgezeichnet, 19 wurden öffentlich belobt. Mit einer ungenügenden Note in einem Fache wurden 39 Schüler versetzt.(Wer von diesen heuer im gleichen Fache wieder eine ungenügende Note erhält, kann nach der Schulordnung nicht versetzt werden.) Ein Schüler wurde probeweise versetzt, während 13 nicht in eine höhere Klasse aufsteigen konnten.

Die Feier des Geburtstages Seiner Majestät des Kaisers wurde in einfachem Rahmen in der Turnhalle des Gymnasiums mit Gesängen und Deklamationen begangen; Lehramtspraktikant Rach hielt die Festrede über die Vaterlandsliebe. Nachher führten einige Schüler der oberen Klassen im Saale von St. Johann Lessings Philoktet auf. Diese Aufführung fand solchen Beifall, daß sie nochmals wiederholt werden mußte. Der Reinertrag wurde dazu bestimmt, bedürftigeren Schülern die Teilnahme an den Klassenausflügen zu erleichtern.

Nach der großen Jubelfeier war die Schillerfeier das festliche Haupt- ereignis des Schuljahrs. Das Gymnasium beteiligte sich Sonntag den 7. Mai, nach- mittags, vollzählig an dem Festzuge, der sich durch die Stadt zum Fischmarkt bewegte, wo nach einer Ansprache des Stadtrats Professor Dr. Martens eine Schiller- linde gepflanzt und mit Musik und Männergesang begrüßt wurde. Die Eisenbahn- straße, au welcher das Gymnasium liegt, wurde Schillerstraße benannt. Am 8. Mai, vormittags 8 Uhr, hielt das Gymnasium seine Schillerfeier im Stadttheater. Professor Demoll behandelte in seiner Festrede hauptsächlich Schillers Bedeutung für die Jugend, und Schüler der mittleren und oberen Klassen trugen ausgewählte Gedichte von Schiller vor. Auch die Chorgesänge waren Kompositionen Schillerscher Dich- tungen, darunter das Eleusische Fest als Melodrama von Schillings. Am Abend des 8. Mai wurde unter ungemeinem Zulauf eine öffentliche Feier von der Wessenberg- Denkmal-Stiftung in der städtischen Turnhalle veranstaltet, bei der das Gymnasium