Professor Schott während einer Erholungskur vertreten hatte, kam an das Bertholds- gymnasium in Freiburg. Die Lehramtspraktikanten Schweinfurth und Weizen- ecker wurden im Frühjahr 1905 während einer achtwöchigen militärischen Dienst- übung durch die Lehramtspraktikanten Otto Klauser und Albert Müller vertreten, die eben ihre Staatsprüfung abgelegt hatten. Der Studienpräfekt Kury verließ Konstanz; statt seiner übernahm Lehramtspraktikant Rach einen Teil des katho- lischen Religionsunterrichts. An die Stelle des wegversetzten Vikars Franz trat im altkatholischen Religionsunterricht Vikar Heuschen. Den Unterricht im evange- lischen Choralgesang übernahm nach Neujahr 1905 Hauptlehrer Fritz Gassert, Organist der evangelisch-protestanbischen Stadtpfarrei.
3. Beirat. Der frühere Großh. Landeskommissär Geheimer: Oberregierungsrat Freiherr von Bodinan, der seit Herbst 1899 den Vorsitz im Beirat mit größter Gewissenhaftigkeit und Umsicht, in kritischen Zeiten mit männlicher Tatkraft und feinem Taktgefühl, vor allem mit warmer Liebe und treuer Fürsorge für die Schule geführt hatte, wofür ihm der Dank der Anstalt gebührt, wurde am 7. Juli 1904 als Ministeriallirektor und stellvertretender Bevollmächtigter beim Bundesrat nach Berlin versetzt. Darauf wurde durch Erlaß des Großh. Oberschulrats vom 8. Oktober 1904 Nr. 30425 der Großh. Landeskommissär Geheimer Oberregierungsrat Dr. Krems zum Vorsitzenden des Beirates bestellt; die Mitglieder des Beirates Landgerichtspräsident von Berg, Bezirksarzt Medizinalrat Dr. Heinemann und Stadtrat von Saint- George, deren Amtszeit abgelaufen war, wurden auf weitere 6 Jahre zu Mitglie- dern ernannt.
Leider erlag Stadtrat Karl von Saint-George am 2. Dezember 1904 seinen langen Leiden, die ihn manchmal in der Ausübung seiner freudig übernommenen Ehrenämter gehindert hatten. Er war auf Vorschlag des Stadtrats vom Großh. Mini- sterium bei Errichtung des Beirates 1886 zu dessen Mitglied ernannt worden und hat demselben also volle 19 Jahre seine Kräfte treu gewidinet, wofür ihm die An- stalt ein dankbares Andenken wahren wird.
Am 23. März 1905 starb hier in stiller Zurückgezogenheit der Geheimerat a.D. Adolf Ostner, der in seiner früheren Stellung als Stadtdirektor in Konstanz von 1876 bis, zur Aufhebung der Verwaltungsräte der badischen Mittelschulen 1883 Präsident des Verwaltungsrates unserer Anstalt gewesen war und sich um dieselbe große Verdienste erworben hat. Auch ihm folgt das treue Andenken unserer Schule übers Grab hinaus.
4. Gebäude und Schuleinrichtung. Die Überfüllung unserer Klassen hätte die Errichtung weiterer Parallelabteilungen nötig gemacht; aber aus Mangel an Lehrkräften und Raum muß einstweilen darauf verzichtet werden. Eine Klasse, Quinta, fand wieder im Konradihaus ein Unterkommen. Die immer dringendere Frage des Gymnasiumsneubaus, um welche sich auch ein lebhafter Meinungsaustausch in der Presse und in Versammlungen entsponnen hat, ist so weit gefördert, daß ein Plan für Errichtung des Neubaues auf dem Platze des alten Gebäudes der Regierung zur Genehmigung vorgelegt ist. Im nächsten Schuljahr müssen wir uns bei Aufnahme auswärtiger Schüler wegen Mangels an Raum nochmals unliebe Schranken setzen.
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