Geſchichte der Realſchule zu Bad Wildungen
1900— 1925
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1. Vorgeſchichte, Begründung und Kufgabe.
Di Städtiſche Realſchule zu Bad Wildungen iſt an ihrem Teile die Nachfolgerin der im Jahre 1586 begründeten Stadtſchule— ſeit 1788 auch Lyzeum genannt— einer eigentümlichen Verbindung von Volks⸗ und Gelehrten⸗Schule, welche ſogar zahlreiche Schüler unmittelbar zur Univerſität entlaſſen konnte. Im Laufe des 19. Jahrhunderts mehrfach zeitgemäß äusge⸗ ſtattet, beſtand ſie ſeit Oſtern 1891 nach dem Plane des damaligen Kreisſchulaufſehers Pfarrer Lau aus 4 Abteilungen: einer Volksſchule mit 7 Klaſſen, einer Präparandenſchule mit 1, ſpäter 2 Klaſſen, einer höheren Mädchenſchule mit 2, jetzt 6 Klaſſen und einer höheren Knabenſchule mit den 3 unteren Klaſſen eines Progymnaſiums.
Nach dem Erſcheinen der neuen preußiſchen Lehrpläne vom 6. Januar 1892 bewirkte der im Herbſt 1891 als Rektor an die neugegrün⸗ dete Schule berufene Dr. Auguſt Koch die Umwandlung der 3 Gymnaſial⸗Klaſſen in Real⸗ klaſſen; denn eine Realſchule verſprach nach ſeiner Ueberzeugung den Bedürfniſſen des Ortes beſſer zu genügen. Mit jedem Jahre wurde dann eine Klaſſe aufgeſetzt und dem entſprechend das Kollegium um eine Lehrkraft vermehrt. Oſtern 1895 war die Prima(U II) eingerichtet worden, und am nächſtfolgenden Oſtertermin konnten ſich 7 Primaner der Extraneerprüfung an der Realſchule(jetzt O. R. I.) in Caſſel unterziehen. An derſelben Anſtalt abſolvierten auch in den folgenden Jahren die abgehenden Primaner die Reifeprüfung. Im ganzen haben in der Zeit von Oſtern 1896 bis Oſtern 1899 15 Zöglinge der Realſchule dieſe Prüfung be⸗ ſtanden.
Als wegen der Anerkennung der Extraneer⸗ prüfung für die Erlangung der Berechtigung zum einjährig⸗freiwilligen Militärdienſt von
ſeiten der Militärbehörden Schwierigkeiten ge⸗ macht wurden, entſchloß ſich der Gemeinderat, die Mittel zu bewilligen, um die Realſchule mit der Berechtigung zu verſehen und den vom Miniſter der geiſtlichen pp. Angelegenheiten ge⸗ ſtellten Bedingungen nachzukommen. Durch Ge⸗ meinderatsbeſchluß vom 26. Januar 1900 wurde die Einführung des preußiſchen Normal⸗Etats feſtgeſetzt. Darauf hin wurde die Realſchule vom Miniſter unterm 22. Februar 1900 als eine in der Entwicklung begriffene anerkannt und gleichzeitig die Abhaltung einer vorläufigen Entlaſſungsprüfung genehmigt. Dieſe fand am 9. April ſtatt. Auf Grund des Ausfalls dieſer Prüfung wurde die Anſtalt unterm 26. Mai als lateinloſe Realſchule vom Miniſter der geiſt⸗ lichen pp. Angelegenheiten anerkannt und dieſer Anerkennung rückwirkende Kraft für die voran⸗ gegangene Prüfung verliehen. Damit trat die Anſtalt zugleich unter die Aufſicht des Provin⸗ zial⸗Schulkollegiums zu Caſſel, während ſie bis dahin den waldeckſchen Schulbehörden unter⸗ ſtellt war.
Der Direktor der Realſchule Dr. Koch be⸗ hielt zugleich die Leitung der Stadtſchule bei; doch wurde die Präparandenſchule Oſtern 1903 aufgelöſt. Die Vereinigung beider Aemter blieb auf Wunſch der Gemeinde auch nach dem Amtsantritt des zweiten Direktors Dr. Reichardt zunächſt beſtehen. Erſt am 1. Juli 1921 er⸗ folgte die Anſtellung eines eigenen Rektors für die Stadtſchule(Volks⸗ und höhere Mädchen⸗ ſchule), und damit löſte ſich das letzte Band, welches die Realſchule noch mit ihrer Mutter⸗ anſtalt verbunden hatte.
Die Aufgabe der Realſchule als der einzigen höheren Schule der Stadt und des zugehörigen Kreiſes muß nach Lage der Dinge eine doppelte


