16
auf die Zeit vor 100 Jahren gab dann Gelegenheit, auf die Aufgaben der Gegenwart für die Jugend- erziehung hinzuweisen und die Schüler zu treuer Pflichterfüllung zu ermahnen.
Am 18. April machten die drei oberen Klassen einen Ausflug unter Führung von Prof. Leiss zur Besichtigung der im Auftrag des Kaisers von Mainzer Pionieren ausgeführten Verschanzungs-— arbeiten an der Saalburg.
Am 16. Juni feierte die Schule die 25. Wiederkehr des Tages der Thronbesteigung Sr. Maj. des Kaisers. An fröhliche Morgenwanderungen der einzelnen Klassen schloß sich die Vereinigung der ganzen Schule zu einer Feier im Walde, die aus Liedern des Chores und einer Festrede des Direktors bestand. Den gemeinsamen Pleimmarsch beendete ein dreifaches Hurra auf das Vaterland.
Am 12. Juli waren die hergebrachten Sommerausflüge der einzelnen Klassen, wobei Ober- prima und Unterprima zwei Tage auf der Wanderung waren. Zur Feier des Jubiläumsjahres vereinten sich zuletzt alle Klassen in dem schönen Nassau zur Teilnahine an dem dort im Mühl- bachtal stattfindenden Pestspiel zum Andenken an den Frhrn. von Stein, dem zuletzt an dem Fuße des ihm errichteten Denkmals eine Hluldigung dargebracht wurde.
Die Feier des Sedantages am 2. September wurde durch ein fröhliches Kriegsspiel der Schule in zwei Parteien in der Gegend hinter der Fasanerie begangen. Am Schluß erzählte der Direktor von den Kämpfen von Spichern am 6. August 1870.
Am 18. Oktober wurde die Erinnerung an die Yölkerschlacht bei Leipzig durch gemein- samen Besuch des in der Marktkirche veranstalteten eindrucksvollen FPestgottesdienstes seitens der evangelischen Lehrer und Schüler begangen, während die Katholiken am folgenden Sonntag an ihrem Festgottesdienst teilnahmen.
Am 15. Januar mußtten wir leider den Tod des Quintaners Gustav Müller aus Dotz- heim beklagen, eines braven und ſleißigen Schülers, der nach kurzer Krankheit starb. Klassen- Kkameraden und Lehrer gaben ihm das Geleite zum Grabe.
Die Feier des Geburtstages Sr. Maj. des Kaisers ſand am 27. Januar vormittags 9½ Uhr in der Aula statt. Die Festrede hatte Prof. Hartwig übernommen. Sie behandelte die Ent- wicklung des brandenburgisch-preußischen Staates in ihrem Wechsel von Aufschwung und Rück- gang, insonderheit von der Zeit des Großen Kurfürsten an.
Am 16. März waren die Eltern der Schüler der vier oberen Klassen eingeladen zur Be- sprechung von Unterrichts- und Erziehungsangelegenheiten. Veranlassung zu diesem Eltern- abend gab vor allem das Bedürfnis, ihnen von der geplanten Teilung des Unterrichts in den primen Kenntnis zu geben. Er bot aber auch Gelegenheit, zu erörtern, wie durch den Examen- und Berechtigungszwang viele Schüler in die oberen Klassen eintreten, die dafür nicht geeignet sind, und wie der Eriolg des Unterrichts in den oberen Klassen vielfach darunter leidet, daß die Schüler gar nicht mit dem rechten Ernst und der rechten Stetigkeit an die Arbeit gehen. Auf die in den Wiesbadener gesellschaftlichen Verhältnissen liegenden Unzuträglichkeiten mußte dabei deutlich hingewiesen werden.(Vergl. VII.)
Die feierliche Entlassung der Abiturienten fand am 25. Mär⸗z statt.


