Aufsatz 
Ein Jahrhundert aus der Geschichte der höheren gelehrten Schulen Fuldas : 1734-1835 : Festschrift zur Feier des 50. Stiftungsfestes des jetzigen Königlichen Gymnasiums zu Fulda am 25. Mai 1885 / von Prof. Jakob Gegenbaur
Entstehung
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angegeben ist, erschien zwar noch in demselben Jahre; aber als die Blätter des Herbstes von den Bäumen fielen, da trug man ihn hinaus zur ewigen Ruhe; er starb am 4. Nov. 1834.

Johann Burkard Schell, geb. den 6. Dez. 1778 zu Fulda, wurde durch den Pater Isidor Schleichert zum Studium der Gelehrten-Schule Fuldas vorbereitet; nach deren Absolvierung trat er am 4. Nov. 1796 in den Benediktiner-Orden und empfing 1802 die Priesterweihe, nachdem er vorher schon zum Korrepetitor an der Adolphiana bestellt worden war. Nach Auflösung der Universität wurde er zuerst Professor der Religion und der Mathematik am Gymnasium und 1809 Professor der Philosophie an der Stelle von Weiss. Ein Zeitgenosse schildert ihn sehr trefflich:Schell war klein und zierlich von Gestalt, lebhaft in seiner Unterhaltung wie in seinem Vortrage, scharfsinnig, heiter mit scharfen Zügen, von umfassendem Wissen nnd bescheidenem Selbstgefühl gegen andere; er lebte als sittlich hochachtbarer Professor in diesem Amte, bis er bei dem Abgange des zum Bischof gewählten Studien-Kommissars J. L. Pfaff von diesem selbst zum Nachfolger vorgeschlagen und von der Kurfürstlichen Regierung am 25. Jan. 1832 dazu ernannt und feierlich am 22. Febr. 1832 in sein Amt eingeführt wurde.(Zwengers Buchonia 1882 Nr. 17.) In welcher Achtung Schell allgemein stand, das bewiesen die Schluszworte aus dem neuen Nekrolog der Deutschen vom Jahre 1834:An ihm verlor das Vaterland eine Zierde, mit ihm sank ein Stern der Wissenchaft und Tugend für unsere Stadt und Bildungsanstalt, mit ihm versiegte eine Quelle des Segens.

Die bereits im Jahre 1832 eingeleitete Reorganisation der hessischen Gymnasien, durch die erwähnte Sendung zweier Mitglieder der oberen Unterrichts-Kommission zu Kassel nach Fulda, war seit jener Zeit von der Tagesordnung des Ministeriums nicht abgesetzt worden, und der Mi- nister Hassenpflug führte im Einverständnisse mit der Ständekammer die Umbildung der höheren gelehrten Schulen mit Energie durch. Der Anfang der Reorganisation wurde 1832 mit dem Gym- nasium zu Hersfeld gemacht; 1833 wurde das Gymnasium zu Rinteln erweitert; 1834 folgte die Umgestaltung der Pädagogien zu Marburg und Hanau; 1835 die der Lyceen und Gymnasien zu Kassel und Fulda. Nach dem Schlusz des Wintersemesters 1834/35 erschien in Fulda der Gym- nasialdirektor Dr. A. Vilmar und der Gymnasiallehrer Dr. Joseph Andreas Schmitz von Marburg. Der letztere wurde 1835 als ordentlicher Lehrer nach Fulda versetzt. Schmitz stammte aus Aachen, war früher Direktor des Gymnasiums von St. Tron, nachher Professor an der Universität zu Löwen, 1831 am Gymnasium zu Hersfeld kommissarischer Lehrer gewesen und von da nach Marburg versetzt worden. Beide wohnten den einzelnen Unterrichtsfächern bei, entwarfen einen neuen Reorganisations- und Lehrplan, welcher von dem damaligen Regierungs-Referenten Hohmann, Domkapitular, und dem Direktor Vilmar unterzeichnet dem Ministerium vorgelegt und von dem- selben genehmigt wurde. Der Unterricht blieb einstweilen ausgesetzt, weil nunmehr die Beratungen des Lehrerkollegiums begannen, wie die Überleitung zu dem neuen Gymnasium zu bewerkstelligen sei. Prof. Wagner als ältestes Mitglied des Kollegiums war mit der Versehung der Geschäfte des Studienkommissars beauftragt. Am 2. Mai 1835 wurde durch denselben der neue Lehrplan der Konferenz vorgelegt und demgemäsz beschlossen, aus den bisherigen 3 Lyceal-Klassen die zwei oberen Klassen der demnächstigen Lehranstalt in der Art herzustellen, dasz durch ein Examen er- mittelt werden sollte, welche Schüler die Prima und Sekunda bilden sollten und welche in die Tertiazurückgeschoben werden muszten. Die ganze übrige Masse der Schüler des bisherigen Gymnasiums, einschlieszlich der Vorbereitungsschule und dereventuell zurückgebliebenen Lyceisten