Aufsatz 
Reden, gehalten bei der Amtseinführung des Direktors Gerson Lange
Entstehung
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Reden,

gehalten gelegentlich der Amtseinführung des Unterzeichneten am 22. April 1901.

I.

Ansprache des Herrn Provinzialschulrat Dr. Kaiser.

Hochverehrte Festversammlung! Liebe Schüler und Schülerinnen!

Eine hochwichtige und bedeutsame Feier ist es, zu der wir hier festlich versammelt sind. Es gilt, den neuen Leiter der Anstalt, den durch das Vertrauen des Schulrats wie der vorgesetzten Unterrichtsbehörde berufenen und durch Allerhöchste Ordre vom 18. März d. J. durch Se. Majestät den Kaiser und König bestätigten Direktor Dr. Lange in Gegenwart der ganzen Schulgemeinde in sein Amt einzuführen. Länger denn ein Jahr ist diese Stelle unbesetzt gewesen. Am 28. März v. J. wurde der bewährte und treue, der in seiner Pflichterfüllung unermüdliche, gewissenhafte und hochverdiente Direktor, Dr. Mendel Hirsch dieser Anstalt durch den Tod entrissen. Heute seiner zu gedenken ist uns Allen eine liebe Pflicht dankbarer Pietät. Wir vergegenwärtigen uns in dieser Stunde das Bild ſund die Wirksamkeit jenes Mannes in der festen Zuversicht, dass sein Geist und sein Wirken fort und fort lebendig bleiben werde in dieser Anstalt. Warmen, von Herzen kommenden Ausdruck haben die Empfindungen, welche die ganze Schul- gemeinde beseelten, schon an seinem Grabe gefunden; aber auch heute können wir es nicht unterlassen, das Andenken des trefflichen Mannes zu ehren.

Nicht leicht ist es gewesen, an die nun leer gewordene Stelle den geeigneten Mann zu berufen, einen Mann, der nach seinem Wissen, wie nach seiner pädagogischen Tüchtigkeit befähigt ist eine höhere Schule zu leiten, einen Mann ferner aber auch, der nach der religiösen Seite die Anlagen und die Gesinnung besitzt, welche der israelitischen Religionsgesellschaft, die diese Schule unterhält, so sehr am Herzen liegen. Nun freuen wir uns Alle, wiederum ein Haupt für diese Anstalt gefunden zu haben.

Während dieser Zwischenzeit ist Gott sei Dank, die Schule nicht verwaist gewesen. Sie hat einen treuen und sorgsamen füter gefunden. Wenn ich im Bilde sprechen darf: Ein erprobter und ruhiger Steuermann hat mit fester Hand das Ruder ergriffen, um die Anstalt durch die Fährnisse und Schwierigkeiten hindurchzusteuern in den Hafen, in dem sie sich nunmehr rüsten kann unter der neuen Leitung zu neuer, so Gott will, glücklicher Fahrt. Es gereicht mir zur besonderen Freude, dass ich Ihnen, sehr verehrter Herr Prof. Dr. Portmann, namens des königlichen Provinzial-Schul-Kollegiums den herzlichsten Dank aussprechen darf für Ihre Hingabe, Ihre sachkundige Führung der Geschäfte und die glückliche Leitung der Anstalt. Sie übergeben sie dem neuen Direktor in einer guten Verfassung. So viel ich gelegentlich eines Besuches wie bei der Abiturientenprüfung sehen konnte, hat die Erreichung des Zieles, das dieser Anstalt gesteckt ist in dem