Aufsatz 
Die Einweihung des neuen Schulhauses am Tiergarten / von Hirsch
Entstehung
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Fürsorge so wesentlich die Schule in der Erreichung der allen gemeinsam gesteckten Ziele zu fördern weiß und die zu ihrem lebhaften Bedauern wie es in dem verehrlichen Reskripte heißt an der persönlichen Teilnahme verhindert, der Schule ihre Glückwünsche zum heutigen Tage gesandt hat.

Wir Lehrer und Lehrerinnen denn ich bin überzeugt im Sinne der werten Kollegen und Kolleginnen zu sprechen werden sicher es als eine Gewissenssache betrachten, unter den erleichternden Bedingungen, wie sie das neue Haus der unterrichtenden Thätigkeit bietet, mit allem Ernste darnach zu streben, diese zu einer immer intensiveren, jeden Einzelnen, wie die Gesamtheit der Schüler möglichst fördernden zu gestalten. Wir sind tief davon durchdrungen, daß, wenn es einen Stand gibt, der es sich zur tagtäglich zu beherzigenden Maxime zu machen hat, daß Stillstand Rückschritt sei und Quietismus, behagliches Sichausruhen auf vermeintlich er- rungenem Lorbeer unfehlbar mechanische Routine erzeuge und damit der eigentlichen Berufsthätigkeit das Grab bereite, daß, wenn es einen Stand gibt, für dessen gesegnete Thätigkeit bei nüchterner verstandes- mäßiger Auffassung der Wirklichkeit, ein hoher Idealismus und ein unverwüstlicher Optimismus die unerläß- liche Voraussetzung bildet: dies der Lehrerstand sei, dessen ächte Vertreter nie mit sich und ihren Leistungen zufrieden sind. Denn, und daran erlaube iech mir, die geehrten Eltern unserer Schüler und Schülerinnen zu erinnern, auch in den bestventilierten, lichtdurchtränkten, geräumigen und hohen Schulsälen bleibt die Lehr- kunst der Lehrer immer die Hauptsache und die Herstellung aller dieser günstigen Bedingungen hat nur die allerdings hohe Bedeutung der Beseitigung von Hindernissen und der Verringerung von Schwierigkeiten, die sich sonst auch bei vorhandenem bestem Willen der Schüler erschwerend und lähmend den Erfolgen ent- gegenstellen.

Und damit wende ich mich denn an Euch, meine jungen Freunde und Freundinnen, Ihr Schüler und Schülerinnen dieser Schule. Euch wird dieses prächtige Haus übergeben, zu Eurer Benutzung sind diese treff- lichen Räume bestimmt. Sollte ich da noch nötig naben, Euch daran zu erinnern, wie Ihr nunmehr nur mit um so größerem Ernste, um 8o größerer Gewissenhaftigkeit, mit der vollkommenen äußeren und inneren Sammlung, die sich in der ganzen Haltung und der gespannten Aufmerksamkeit während des Unterrichtes aussprechen, der Erfüllung der Euch obliegenden Pflichten Euch hinzugeben habt, um Euch der großen Sorgfalt und Fürsorge nun auch würdig zu zeigen? Seht, wir haben in der verflossenen Woche mit peinlichster Ge- nauigkeit Sorge getragen, daß jeder und jede den ihrer Größe entsprechenden Sitz erhalte eine Fürsorge, deren Zweckmäßigkeit Euch allen einleuchtete, und Ihr habt gesehen, einen wie großen Unterschied eine Differenz von nur wenigen Millimetern ausmachte. Nun, die Strenge bei den Versetzungen, die schon so mancher von Euch beklagt hat, sie ist nichts anders, als die noch viel wichtigere Bethätigung derselben Fürsorge für die Gesundheit Eurer geistigen Entwickelung. Eine jede Klasse setzt die Erreichung einer bestimmt präzisierten geistigen Entwickelungsstufe voraus. Hinsichtlich der körperlichen Dimensionen richtet sich die Schule nach dem Schüler, hinsichtlich der zu erreichenden geistigen Stufe müssen die Schüler sich den unabänderlich fest- stehenden Anforderungen einer jeden Klasse anbassen. Diese Anpassung ist die Arbeit des ganzen Schuljahres, und diese Anforderungen sind in sorgfältiger Abwägung so bemessen, daß bei treuer Pflichterfüllung auch die mittelmäßig Beanlagten und zwar ohne UÜberanstrengung ihnen genügen können. Wenn dies Alle das ganze Jahr hindurch beherzigen, dann, aber auch nur dann werden wir dazu kommen, die Klassen geschlossen aufrücken zu sehen. Diejenigen aber, bei denen dies nicht der Fall sein sollte, die werden den ihnen mit so fürsorgender Liebe ausgewählten Platz auch am Ende des Schuljahres nicht verlassen. Die Schule, die bei zweckmäßig abgegrenzten Klassenzielen und bei pflicht- gemäßer Ausübung der Lehrkunst lax wäre bei den Versetzungen, handelte gewissenlos gegen die ihr anvertrauten Schüler, die sie dann in der neuen Klasse vor Anforderungen stellte, denen sie vollkommen gar nicht und auch kümmerlich nur mit UÜberanstrengung genügen könnten, und damit auch gewissenlos gegen die Eltern, die sie ihr anvertraut haben das ist der Grundsatz, der auch im neuen Schulhause das unabänderliche Prinzip unserer Thätigkeit bilden soll und muß, weil von seiner konsequenten Durch- führung die Gesundheit der Schule bedingt ist, diesen Grundsatz betrachten wir als wichtigate Ergänzung der trefflichen hygienischen Einrichtungen, für die wir dem Altmeister der Schulhygiene, den wir so glücklich sind unter den Ehrengästen zu begrüßen, zu höchstem Dank verpflichtet sind, das ist ein wich- tiger Satz aus der von uns Schulmeistern zu handhabenden Schulhygiene!

So möge denn unser Einzug in dieses Haus gesegnet sein! Möge der Segen Gottes, der so sichtbar während fast drei Dezennien auf den einfachen bescheidenen Räumen, die wir verlassen, geruht hat, uns in dieses