Aufsatz 
Die Einweihung des neuen Schulhauses am Tiergarten / von Hirsch
Entstehung
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die Ausarbeitung des definitiven Planes und die architektonische Leitung des Baues übertragen. Bei der Submission wurde der Bau von Herru Franz Brofft für M. 324 000, die Einrichtung der gemischten Luft- und Wasserheizung von E. Staudt& Comp. für M. 22 000 übernommen. Am 20. November 1879 fand der erste Spatenstich statt, Herbst 1880 war der Bau unter Dach and sollte zum Herbst 1881 seiner Bestimmung übergeben werden.

Das Schulhaus, dessen östlicher Teil für die Knaben, dessen westlicher für die Mädchen bestimmt ist, enthält in drei Stockwerken außer den für die drei Schulen nötigen 18 Klassen- zimmern, dem Amtszimmer des Direktors, den Zimmern für Lehrer und Lehrerinnen, den für die Bibliothek, die Sammlungen und Apparate nötigen Räumen, zwei Reserve- und zwei Kom- binationsklassen; in der Mitte zwischen beiden Teilen befinden sich die von Knaben und Mäd- chen gemeinschaftlich zu benutzenden Räume: der physikalische Lebrsaal mit Kabinetten, der Sing- und der Zeichensaal. Diese von jeder einzelnen Klasse nur wenig benutzten Räume sind die einzigen, die nach Norden liegen, während sämmtliche Klassenzimmer Ost- resp. Südseite haben. Nach Westen liegt kein Zimmer. Außerdem ist ein chemisches Laboratorium für die Schüler vorgesehen. Die Turnhalle ist unmittelbar angebaut und vom Mädchenhause zu erreichen, während die Knaben über den Hof gehen müssen. Der südliche Teil des vorderen Flügels ent- hält im Parterre das Verwaltungszimmer und die Pedellenwohnung, in den oberen Stockwerken die Wohuung des Direktors. Der Bau wurde in allen seinen Teilen seiner Bestimmung ent- sprechend in einfacher und konstruktiv solidester Weise durchgeführt; in letzterer Beziehung ist hervorzuheben: sämmtliches Gebälke ist aus Eisenbalken mit feuersicherer Ausmauerung herge- stellt, drei massive bis zum Dachgebälk führende Steintreppen sind vorhanden, die Dachböden selbst haben feuersichere Abdeckung erhalten. Das Haus erscheint hierdurch, sowie durch seine klare, übersichtliche Gliederung im Inneren und Xufzeren, in seiner ganzen Anlage, mit seinen hohen geräumigen Klassenzimmern mit breiten, bis an die Decke reichenden Fenstern und mög- nichst schmalen Pfeilern als ein seiner Bestimmung in hohem Grade entsprechendes.

Was die inuere Einrichtung betrifft, so sind die zweisitzigen Subsellien(nur in den Kombinationsklassen und im naturwissenschaftlichen Lehrsaal sind viersitzige) von Spohr und Krämer, mit einigen wesentlichen, von Herrn Architekt Strigler angegebenen Verbesserungen, die die Festigkeit bedeutend erhöhen und die Reinigung der Zimmer sehr erleichtern.

Ursprünglich war, wie bemerkt, für die Einweihung der Beginn des Wintersemesters in Aussicht genommen worden. Bei der prompten Einhaltung sämmtlicher von der Bauleitung angesetzten Förderungstermine des Baues war es nur eine Folge der verspäteten Fertigstellung der Centralheizungsanlage, die wegen mangelnder genügender Erprobung ein Hinausschieben der Gbersiedelung in den Neubau bis Ende Dezember rätlich erscheinen ließ.

Der Einweihungstag, der fünfte des jüdischen Licht- und Weihefestes, ward in Wahr- heit für Schule und Gemeinde zu einem Ehren- und Freudentage. Außer den geehrten Stiftern waren die unmittelbar vorgesetzte Königliche Behörde, sowie der Herr Regierungspräsident, der Herr Polizeipräsident, die beiden Herren Bürgermeister, das Kuratorium der höheren Schulen, qie Städtische Schuldeputation, die Mitglieder des Preisgerichts, die Direktoren und Rektoren sämmtlicher öffentlicher Schulen, der Präsident der Polytechnischen Gesellschaft und einige Freunde der Anstalt als Ehrengäste geladen. Das Provinzial-Schulkollegium hatte sein Bedauern ausgedrückt, an einer persönlichen Beteiligung verhindert zu sein und seine Wünsche für das