Aufsatz 
Beschreibung des neuen Schulgebäudes
Entstehung
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Erziehungsstätte übernommen hat und in wahrer Erfassung unseres Glaubens ihre Wohltaten allen Kindern ohne Unterschied des Bekentnisses zuteil werden läßt, zum Ruhme dieser Stadt, die wie kaum eine zweite unseres Vaterlandes der Erziehung

der Jugend in so mannigfacher Weise Rechnung trägt, zum Heil und Segen unseres geliebten deutschen Vaterlandes!

Zum Schlusse sprach Herr Josef Meier im Namen des Vereins ehe- maliger Schüler und Schülerinnen des Philanthropins herzliche Worte der Begrüßung aus. Als Zeichen seiner treuen Anhänglichkeit an die Schule hat dieser Verein einen früheren Schüler der Anstalt, den Maler Albert Gianini, mit der Anfertigung eines Bildes des alten Gebäudes in der Rechneigrabenstraße beauftragt, das der Schulverwaltung in Kürze übergeben wird.

Mit dem unter Orgelbegleitung gesungenen altniederländischen Dankgebete: Wir treten zum Beten schloß die akademische Feier. Ein Rundgang durch alle Teile des Neubaus, unter Führung des Herrn Magistratsbaurats Matzdorff und einiger anderen sachkundigen Herren hielt die größere Zahl der Festteilnehmer noch längere Zeit in den prächtigen Räumen zusammen.

Der zweite Teil der Einweihungsfeier vollzog sich am Nachmittag von 5 Uhr an, gleichfalls in der Aula, deren westlicher Teil in der kurzen Zwischenzeit in eine Bühne umgewandelt worden war. Ein Festspiel in 3 Bildern, verfaßt von Frl. Leonie Meyerhof-Hildeck, von den Herren Alfred Auerbach und Kitz vom städti- schen Schauspielhause einstudiert, wurde von etwa 120 Zöglingen der Schule unter Mitwirkung früherer Schüler und Schülerinnen dargestellt. In wohlklingenden Versen führten, anknüpfend an die drei Häuser, in denen das Philanthropin sein Heim ge- funden, drei Hausgeister die den einzelnen Zeitabschnitten entsprechende Eigenart des Unterrichtsbetriebs vor: die Zeit des Kompostells als die Periode des zaghaften Eintretens der jüdischen Jugend in die allgemeinen deutschen Bildungs- bestrebungen; dann fortschreitend auf dem Untergrunde des naturwissenschaft- lichen Unterrichts zu der modernen Richtung, gelangt die Schule zu dem im wesent- lichen bereits in dem eben verlassenen Hause geübten Unterrichtsbetriebe, der in dem neuen Hause nach der den Anforderungen der Gegenwart entsprechenden zu- gleich ethischen, praktischen und ästhetischen Richtung weiter geübt und vertieft werden soll. Jeder der drei Hausgeister führt zur Rechtfertigung seiner Eigenart seine Truppen ins Feld: Gruppen von Schülern und Schülerinnen, die, in kleinen Szenen auftretend, durch anmutige Menuett-, Blumen und Turn-Reigen in einer den kindlichen Begriffen angemessenen Weise das Bildungsideal jeder der drei Perioden verkörpern sollen. Das letzte der drei Bilder zeigte in reizvoller Grup- pierung die Schönheit, die Wahrheit und die Güte in ihren Beziehungen zur Schule. Ein weihevoller Schlußhymnus, von Herrn Auerbach verfaßt, von Herrn Musikdirektor G. v. Rößler komponiert und unter Leitung des Herrn Rothschild äußerst eindrucksvoll von einem gemischten jugendlichen Chore vorgetragen, schloß das allegorische Spiel in wirkungsvoller Weise ab.