Aufsatz 
Beschreibung des neuen Schulgebäudes
Entstehung
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reden, diesen Tag gemacht; laßt uns frohlocken und an ihm fröhlich sein! Ja, volle, ungetrübte Freude erfüllt heute, wo das Philanthropin seinen Einzug in die neue herrliche Stätte hält, unser Herz, und diese Freude wird erhöht durch die Teilnahme, die uns bei dieser Gelegenheit wiederum von den hohen staatlichen und städtischen Behörden, von liebevollen Kollegen, Gönnern, Freunden und ehe- maligen Zöglingen unserer Anstalt kundgegeben wird: Ihnen allen hierfür aufrich- tigen, herzlichen Dank! In dankbarer Gesinnung begrüssen wir sodann die Ver- treter unserer Gemeinschaft, die Mitglieder des Schulrats, die die Anregung zu dem Neubau gegeben, Vorstand und Ausschuß der Israelitischen Gemeinde, die bereit- willigst die Mittel hierfür zur Verfügung gestellt haben; Dank, herzlichen Dank auch von unserer Seite dem Schöpfer des stattlichen Hauses, dem verehrten Herrn Magistratsbaurat Matzdorff und all denjenigen, die den Plan des genialen Bau- meisters zu verwirklichen berufen waren, die alle ihr Bestes daran gesetzt, das Haus seiner Bestimmung gemäß zu gestalten. Mit aufrichtiger Genugtuung erfüllt es uns, daß der gewaltige Bau aufgerichtet worden ist, ohne daß ein Menschenleben ernstlich gefährdet wurde. Nun steht er da, hochragend über die Häuser seiner Umgebung, mit seinem stattlichen Turm ein Symbol für die Tätigkeit, die in ihm geübt werden, für die Ideen, die von hier hinausgetragen werden sollen.

Als wir vor nun 4 ½ Jahren die Jahrhundertfeier des Philanthrepins in einer jedem Teilnehmer unvergeßlichen Weise begingen, war es mir vergönnt, diese Ideen in ihrer historischen Entwicklung, die sie in den 100 Jahren seit Begründung der Anstalt erfahren haben, darzulegen; ich kann mich heute darauf beschränken, in kurzen Umrissen den Einfluß zu zeigen, den sie in der Gegenwart, auf unser Tun üben. In pietätvoller Erinnerung an den Mann, der vor mir mehr wie drei Jahrzehnte diese Anstalt geleitet und es wohl verdient hat, daß seiner auch an dieser Stelle in erster Reihe gedacht wird, möchte ich dabei an die Worte anknüpfen, in die Baerwald einmal die Aufgaben dieser Schule gekleidet hat: Das Philan- thropin soll das Besondere, das Gute, das uns eigen ist, festhalten und pflegen, es soll aber nicht minder die Jugend hinleiten zum freudigen Anschluß an das Ganze. Wie wir bei Verfolgung dieser Aufgaben in unver- minderter Weise die Devise festhalten, die uns von den Begründern dieser Anstalt als heiliges Vermächtnis überkommen ist und die Ihnen an der Treppenwand des neuen Hauses entgegenleuchtete, welche Bedeutung wir dieser DeviseAufklärung und Humanität bei unserem Wirken widmen, sei mir gestattet noch besonders nachzuweisen.

Das Besondere, das uns Eigentümliche, unsere Religion soll hier, in der Schule der Israelitischen Gemeinde, die Würdigung und Pflege finden, die ihr als einer der hauptsächlichsten Erziehungsgrundlagen gebührt. Mit dieser sorgsamen Pflege unseres Bekenntnisses, für welches unsere Vorfahren Gut und Blut hingegeben, Knechtung, Bedrückung und Beschimpfung auf sich genommen, das sie uns als köstlichen Schatz hinterlassen haben, sondern wir uns keineswegs von der Kultur der Jetztzeit ab: Die Wahrheiten unserer Religion sind und bleiben vielmehr auch