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tober 1890 zu Ielles bei Brüssel, hat in seinem Testamente mit einem Kapital von Mk. 35,000 eine seinen Namen tragende Stiftung gegründet, deren Zinsen nach dem freien Ermessen des Schulrats zum Besten der Schule, zur Verbesserung und Erweiterung des Unterrichts, der Lokalitäten, Einrichtungen, Apparate etc. verwendet werden sollen.( Näheres siehe im Programm unserer Schule vom Jahre 1891 S. 26). Mit den Mitteln dieser Stiftung wurde im Beginn des Wintersemesters 1892/93 der Handfertigkeitsunterricht an unserer Schule eingeführt und wird seitdem als wahlfreier Unterricht, an dem sich Schüler der IV. und III. Klasse beteiligen, regelmässig erteilt. Von den Schülern wird nicht blos keinerlei Zahlung für den Unterricht geleistet, sondern sie erhalten auch das erforderliche Hand- werkzeug und alle Materialien kostenfrei geliefert.
4) Die Jacques Lauterbach genannt Schoenwald’sche Stiftung. Es sind oeben 90 Jahre, seitdem der Begründer dieser Stiftung, Jacob Moses Schoenewald, am 25. Februar 1810 in unsere Schule eintrat. Geboren zu Schönwald(Baden) am 10. Januar 1803, wurde er von seinem Onkel Joseph Simon hier im Philanthropin angemeldet und, da er unbemittelt war, als Freischüler angenommen; Isaak Elias Reis wurde ihm als Vormund bestellt; er blieb bis 1819 in unserer Schule. Tief wurzelte in seinem Herzen die Dankbarkeit für das, was ihm hier geworden war. Als er 70 Jahre alt geworden, schrieb er am 22. Juni 1873 zu Paris, wo er sich niedergelassen hatte, in sein Testament:„Ich habe in den Jahren 1810 bis 1819 in der„Philanthropin oder Real- und Volksschule“ genannten israelitischen Volksschule zu Frankfurt a. M. unentgeltlichen Unterricht empfangen. Dadurch bin ich in den Stand gesetzt worden, auf anständige Weise mein Brot zu ver- dienen und durch meine Arbeit unter Gottes Beistand das kleine Vermögen zu erwerben, welches ich heute besitze. Deshalb vermache ich dieser Schule eine Jahresrente von 2000 Francs... Diese Schenkung soll dazu verwendet werden, um für zwei oder mehrere arme israelitische Knaben das Schulgeld, die Bücher etc., ferner einfache, aber gute Kleidung, und, wenn erforderlich, auch Beköstigung zu verschaffen, sowohl während der Zeit ihres Schulbesuches, als auch um ihnen nachher während ihrer ganzen Lehrzeit, sei es, dass sie sich einem Handwerk, einer Kunst oder dem Kaufmannstand widmen, die für ihre Ver- pflegung und sonstigen Bedürfnisse unumgänglich erforderlichen Mittel darzubieten Die Zöglinge sollen immer unter der Bezeichnung„Zöglinge der Jacques Lauterbach ge- nannt Schoenewald'schen Stiftung“ in die Schule aufgenommen werden; denn es ist mein Wunsch. dass mein Name immer in den Schriften der Schulverwaltung vorkomme: das dient vielleicht auch sonst zum guten Beispiel. Am 25. August 1878 starb der Testator, welcher den Namen Jacques Lauterbach gen. Schönewald angenommen hatte, 9 Jahre später seine Gemahlin, welche schon im Jahre 1879 nach erfolgter landesherrlicher Genehmigung zur Annahme des Legates die Eintragung einer Jahresrente von 2000 Francs in das grosse französische Staatsschuldenbuch auf den Namen unserer Schule bewirkt hatte. Nicht lange nach ihrem Tode trat die Stiftung, über welche in don Programmen unserer Schule von 1879 und 1888 eingehend berichtet ist, in Wirksamkeit. Der Stiftung gehören zwei Zöglinge an, von denen der eine in einem hiesigen Bankgeschäft als Lehr- ling thätig ist, der andere die II. Klasse unserer Schule besucht. Die Zöglinge stehen unter Aufsicht der von dem Schulrat für die Verwaltung der Stiftung eingesetzten Kommission,
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