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an der Erstarkung des deutschen Volkes hat, undes ist kein Zufall, daß gerade zur Zeit der größten nationalen Not, zur Zeit der na- poleonischen Bedrückung, die Sehnsucht nach diesem kostlichen Sagengute erwacht ist. Demnach ist es auch nur halb richtig, wenn man sagt, daß dem Deutschen sein Nationalgefühl eingebleut wor- den ist durch den ersten Napoleon. Der grole Korse hat vielmehr nur die Aufgabe des Sturmes besorgt, der durch sein heftiges Schütteln und Rütteln die Lebenssäfte des Baumes in raschere Kreisung versetzte und ihn zwang, seine Wurzeln tiefer ins Erdreich zu senken. Was aber nicht nur den seiner Aste und Zweige be- raubten Stamm im inneren Lebensmark gesund erhielt, sondern auch wieder eine neue tausendfältige Laub- und Blütenpracht her- vortrieb, war die in einem großen Dichtwerk verkörperte Erinne- rung an eine große Epoche aus der geschichtlichen Vergangenheit des Volkes.
Kurz, so wenig wir auf der Welt sein könnten, wenn wir keine Eltern hätten, so wenig könnte ein Volk auf Erden eine Bedeutung haben, wenn nicht jedes folgende Menschenalter mit der Gesamt- heit der Lebenserfahrungen der vorausgegangenen Geschlechter und Jahrhunderte zusammenhienge. Den ganzen geistigen Gehalt einer Zeit nun in sich aufgenommen und so wiedergegeben zu haben, daß ihn die folgenden Geschlechter nicht bloß leidend als etwas Außerliches in sich aufnehmen, sondern als einen lebendigen Teil ihres eigenen Selbst empfinden und inn daher innerlich, orga- nisch gerade so weiter bilden, wie aus dem Samen einer Pflanze der Keim einer neuen Pflanze entsteht, das ist die Aufgabe eines großen Dichters, darin liegt seine Bedeutung, und diese Aufgabe hat Schiller erschöpfend gelöst. An dem hundertjährigen Todestag eines Dichters feiern wir daher einen Säkulargeburistag der ger stigen Existenz eines Volkes.
Ein kurzer Gang durch den reichen Garten von Schillers dramatischen Dichtungen soll uns die Wahrheit dieses Ausspruches bestätigen.
Der Ruf Rousseaus nach Rückkehr zur Natur wäre auch in der Heimat unseres Dichters, in Schwaben, nicht mit solcher Be- geisterung aufgenommen worden, wenn sich nicht aucnh hier die Unnatur, die Fesseln einer alles freie Leben im Staate und in der Familie erstickenden Konvenienz auf alles gelegt und jede freie Regsamkeit erstickt hätten. Und ganz besonders Schiller empfand in seiner freien Feuerseele und unter den eigenartigen Vernält- nissen, in die seine Jugend fiel, diesen Druck dreifach stark. Zu- gleich sah es aber nicht bloß er selbst, sondern sahen es auch alle seine Landsgenossen mit unheimlicher Deutlichkeit, wie jede selbst berechtigte Auflehnung gegen die bestehenden Zuständé als ein Verbrechen gegen den Siaat und die Gesellschaft erschien und als ein solches auch geahndet wurde. Darum war es kein aben- teuerlicher Plan, sondern eine im Geiste des Zeitalters gezogene Schlußfolgerung, daß, wer ein Mensch sein wollte, ein Räuber werden müßte, daß, wer sich nicht von den Rädern der Staats- maschine zerreiben lassen wollte, sein Dasein aus der bürgerlichen


