Aufsatz 
Die Grundzüge der religiösen und sittlichen Anschauung der alttestamentlichen Propheten, aus ihren Schriften durch zahlreiche, z.T. wörtlich angeführte Stellen nachgewiesen, nebst einer kurzen geschichtlichen und sachlichen Einleitung
Entstehung
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seinem Willen zu wandeln. Gottes Herrlichkeit, gleichsam die Aussenseite seiner Heiligkeit, erscheint als seine Erhabenheit über das Irdische, die er durch sein gewaltiges Wirken alle Welt oder zu Zeiten nur die Propheten im Zustand besonderer geistiger Erhebung erkennen lässt. Jes. 6, 3 rufen die Seraphim:Heilig, heilig. heilig ist der Herr der Heerscharen, alle Lande erfüllt 1 1. b, g, 3 5 er 116 zaren,. seine Herrlichkeit. 33, 5. 35., 2 Hes. 1, 4. 38, 23:Und ich will mich gross und heilig zeigen und mich kund machen vor vielen Völkern, damit sie erkennen, dass ich der Herr bin. 39, 21:Und ich will meine Herr- lichkeit unter die Völker bringen und alle sollen mein Strafgericht sehen, das ich vollzogen habe, und(die Wirkungen) meine(r) Hand, die ich an sie gelegt habe. Jes. 40, 5. 44, 23. 57, 15:Also spricht der Hohe und Erhabene, der ewig Thronende, dessen NameHeiliger ist: In der Höhe und als Heiliger wohne ich... 60, 1:Mache dich auf und werde hell, denn dein L.icht ist erschienen und die Herrlichkeit des Herrn ist über dir aufgestrahlt. 43, 3. 14. 15 u. a. heisst Gottder Heilige Israels. Sach. 2, 9. Mal. 1, 11. Von der sittlichen Hoheit Gottes, die wir ausschliesslichHeiligkeit nennen, handeln: Hos. 11, 9:... denn ich bin Gott und nicht ein Mensch; als heiliger Gott wohne ich unter euch und komme nicht in Wut(zu euch). Jes. 5, 24. 6, 3:Heilig, heilig, heilig ist der Herr der Heerscharen....(Ihm gegenüber fühlt sich der Prophet als ein Mensch mit unreinen Lippen inmitten eines Volkes mit unreinen Lippen). 33, 14. 15 ist Gott alsein verzehrendes Feuer,eine ewige Glut bezeichnet. in deren Nähe nur ein Frommer weilen könnte. Hab. 1, 12. 13:Bist du, Herr, nicht von Ewigkeit her mein Gott, mein Heiliger?... du, dessen Augen zu rein sind, als dass du Böses anschauen könntest, und der du Gewaltthaten nicht mit anzusehen vermagst... 3, 3. Hes. 28, 22:So spricht der Herr: Siehe, ich will an dich, Sidon, und will mich inmitten deiner verherrlichen, damit sie erkennen, dass ich der Herr bin, wenn ich in ihr Gerichte voll- strecke und an ihr erzeige, dass ich heilig bin. 28, 25. 36, 23. 38, 23. Im Widerspruch mit der Be- hauptung der sittlichen Hoheit Gottes steht die Aussage, dass Gott das Folk verstocke, ver- blende, ins Verderben führe, wodurch der Bereich menschlicher Verantwortlichkeit unberech- tigterweise verengert wird. Jes. 6, 9. 10:Er(Gott) sprach: Gehe hin und sprich zu diesem Volke: Höret immerfort, doch ohne zu verstehen! Seht immerfort, doch ohne zu erkennen! Verstocke das Herz dieses Volkes, mache ihre Ohren taub und ihre Augen blind, dass sie nicht sehen mit ihren Augen, noch hören mit ihren Ohren, noch ihr Herz einsichtig werde, noch sie sich bekehren und Heilung erfahren. 8, 14. 15. 63, 17: Warum lässt du, Herr, uns abirren von deinen Wegen und verstockest unser Herz, dass es dich nicht mehr fürchte? Ubrigens sind diese Aussprüche entweder nur als ungeschickte Ausdrücke dafür an- zusehen, dass bei dem vom Volk erreichten Grad sittlicher Verkommenheit das ernste Mahn- wort die bösen Volkselemente zum völligen Fall hinführen werde, oder sie beruhen in der uns fremden Anschauung, dass Gott als Herr der Geister diese zur Vollendung ihres Abfalls von ihm dränge, um mit vollem Recht strafen zu können. Ein starkes Gegengewicht aber gegen diese Aussprüche bilden nicht nur die Stellen, die die Verstocktheit des Volkes als dessen Schuld hinstellen(s. unterSünde), sondern auch die, in denen gesagt wird, dass Gott die Erkenntnis seiner selbst fördere, dem sündigen Folk ein neues Herz gebe, seinen Geist verleihe. Jes. 32, 15:.. 80 lange, bis über uns ausgegossen wird ein Geist aus der Höhe... Hab. 2, 14:Denn die Erde wird voll werden von der Erkenntnis der Herrlichkeit des Herrn, wie von den Wassern, die das Meer bedecken. Hes. 11, 19. 20:Und ich werde ihnen ein anderes Herz geben und einen neuen Geist in ihr Inneres legen; ich werde das steinerne Herz aus ihrem Leibe entfernen und ihnen ein fleischernes Herz verleihen, dass sie in meinen Satzungen wandeln und meine Rechte beobachten und sie ausführen. Und so werden sie mein Volk sein und ich will ihr Gott sein. 39, 29. Jes. 48, 7:Ich bin der Herr, dein Gott, der dich lehrt, erspriess- lich zu handeln, der dich leitet auf dem Wege, den du gehen sollst.(Joel 3, 1 gehört nicht hierher, da es von demGeist der Weissagung handelt). Jedenfalls gedachten die Propheten das Bild eines sittlich vollkommenen Gottes zu entwerfen, doch hing das Gelingen dieser Absicht von dem Stand ihrer Erkenntnis ab. Wenn sich ihre Aussagen über Gott hier und da sogar widersprechen, so rührt das auch daher, dass sie keine geschulten Dogmatiker waren, sondern Männer, die im Kampf für Gottes heilige Sache standen und ihre religiöse Erkenntnis meist nur als Stütze für ihre sitt- lichen Forderungen verwerteten, also in erster Linie auf das praktische Leben gerichtete Geister. Aus Gottes Heiligkeit ergibt sich für den Menschen die Verpflichtung zur Gerechtigkeit, zur Frömmigkeit d. h. zur rechten Gestaltung des Lebens, die in einer richtigen Gotteserkennt- nis und Gesinnung begründet ist. Hos. 10, 12. Jes. 3, 10. Mich. 7, 5. Zeph. 2, 3. Hab. 1, 4. 2, 4. Hes. 3, 20. Jes. 45, 8 u. a. stehtGerechtigkeit undgerecht im Sinne vonk, Frömmigkeit undkromm. Was aber zur Frömmigkeit gehört, sagen: Am. 5, 4. 5, 14. 15:Fragt nach dem Guten und nicht nach dem Bösen, damit ihr am Leben bleibt!... Hasset das Böse und liebt das Gute... Hos. 6, 6:Denn ich habe Wohl- gefallen an der Liebe und nicht an Schlachtopfern, an Gotteserkenntnis und nicht am Brandopfer. 12, 7: .. Halte auf Liebe und Recht und harre beständig deines Gottes. Jes. 1, 17. 19. 27. 8, 13:.. Haltet den Herrn der Heerscharen heilig, und er soll es sein, der euch Furcht und Schrecken einflösst. 17, 7. 33, 14. 15: .. Wer von uns kann weilen bei dem verzehrenden Peuer? Wer von uns kann weilen bei der ewigen Glut? Wer in Rechtschaffenheit wandelt und die Wahrheit redet, wer Gewinn, durch Erpressung(erzielt), verschmäht, wer die Annahme von Bestechung verweigert, wer sein Ohr verstopft, um nicht Mordpläne zu hören, und seine Augen verschliesst, um nicht Böses mit ansehen(zu müssen). Mich. 6, 8:Er hat dir gesagt, o Mensch, was 2