Aufsatz 
Die Grundzüge der religiösen und sittlichen Anschauung der alttestamentlichen Propheten, aus ihren Schriften durch zahlreiche, z.T. wörtlich angeführte Stellen nachgewiesen, nebst einer kurzen geschichtlichen und sachlichen Einleitung
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Die Grundzüge der religiösen und sittlichen Anschauung der alttestamentlichen Propheten,

aus ihren Schriften durch zahlreiche, z. T. wörtlich angeführte, Stellen nach- gewiesen, nebst einer kurzen geschichtlichen und sachlichen Einleitung

von

Professor Rudolf Trümpert.

In unserm Volk wird heutzutage auf die Pflege der Vaterlandsliebe, namentlich bei der Erziehung der Jugend, grosser Wert gelegt, damit die Errungenschaften der ruhmreichen Zeit Kaiser Wilhelms I. erhalten, die guten Anlagen des deutschen Charakters zur Entfaltung gebracht, die schlimmen niedergehalten werden. Die Kenntnis der lichten und dunkeln Seiten unserer Geschichte ist zu diesem Zweck durchaus nötig, denn ihr Verlauf rechtfertigt das (relative) Recht des SprichwortesJeder ist seines Glückes Schmied auch bezüglich des Völkerlebens. Der Niedergang eines Volkes hat ebenso, wie sein Aufsteigen, Gründe ver- schiedener Art, die teils ausserhalb, teils innerhalb des Kreises menschlicher Einflüsse liegen. Letztere nur auf dem politischen Gebiet zu suchen, ist eine verhängnisvolle Einseitigkeit, denn die überwiegende Mehrheit der Glieder eines Volkes hat trotz der ihnen jetzt gewährten politischen Rechte doch das Bewusstsein, dass der Einzelne für sich auf die Politik des Staates nicht einwirken kann, und ist darum geneigt, sich gegenüber der Gestaltung der Verhältnisse des Vaterlandes für völlig ohnmächtig zu erklären, sich auf die Nachweisung und Verurteilung politischer Fehler zu beschränken. Sicherlich werden in der Politik, wie in jeder andern Sphäre menschlicher Thätigkeit, Fehler gemacht und stets gemacht werden, solange nicht den Leitern der Politik bei ihrem Amtsantritt die Gabe vollkommener Weisheit zufällt, aber sie werden sich gewiss vermindern und weniger unheilbringend werden, wenn das Volk innerlich gesund und stark ist. Diese Eigenschaften sind nicht gleichbedeutend mitaufgeklärt,gebildet, wohlgerüstet, sondern weisen auf den Boden der Religion und Sittlichkeit hinüber. Die geistige und leibliche Ausbildung der Volksangehörigen ruht nur dann auf sicherem Grund, wenn die Volksseele von einer ächten Religiosität, einer strengen Sittlichkeit durchdrungen ist, denn Bildung ohne Zucht ist ebenso gefährlich, als Leibeskraft ohne Selbstbeherrschung. Ein Vollkommenes, ein Ideal muss uns allen vorschweben, damit wir uns unsrer ganzen Persön- lichkeit nach richtig ausgestalten und verhalten lernen. Das einzige Vollkommene aber, das wir Menschen kennen, ist Gott, die einzige Richtschnur für die Bethätigung aller unsrer Kräfte, die sich uns als eine vollberechtigte erweist, ist sein Wille, das einzige Ziel, von dem aus uns die Förderung aller perechtigten Lebenszwecke gesichert erscheinen kann, ist die Geistes- und Willensgemeinschaft mit Gott d. h. die rechte Religiosität und Sittlichkeit. Insofern nun diese Förderung unsrer berechtigten Lebenszwecke unsre Lebensarbeit ausmacht, diese sich aber im Rahmen des Volkslebens vollzieht, kann mit Recht behauptet werden, dass das allseitige Gedeihen eines Volkes von dem Stand der Religiosität und Sittlichkeit bei seinen Gliedern abhängig, dass die Bethütigung einer wahren Frömmigkeit, die diese Faktoren in ihrer Achtheit in sich schliesst, der beste Beweis der Vaterlandsliebe ist.

In diesem Sinn sprach auch unser unvergesslicher Kaiser Wilhelm I. den Satz aus. dassdem Volke die Religion erhalten werden müsse. Schon lange vorher hatte Erust

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