Gedächtniss-Rede
auf den hundertjährigen Geburtstag FRIEDRICH SCIILLERS
gehalten am 70. Movember 1859.
Friedrich Schiller starb am 9. Mai 1805. Im eilften Jahre nachher, am 10. August 1815 wurde seine Glocke in Weimar aofgeführt, dazu hatte Göthe einen Epilog ge- dichtet, der mit den Worten schliesst:
Drum ſfeiert ihn, denn was dem Mann das Leben Nur halb ertheilt, soll ganz die Nachwelt geben.
Dieser Aufforderung hat nicht bloss Weimar, nein der weithintönenden Stimme Göthes hat ganz Deutschland nachgelebt.
Schon bei seinen Zeitgenossen fand Schiller nicht geringe Anerkennung. Als Göthe 1787 aus Italien zurückkehrte, gehörten die 1781 erschienenen Räuber, das dramatische Erstlingswerk Schillers zu den in allen Classen der Bevölkerung beliebtesten Stücken; nicht geringere Theilnahme gewannen sich seine nachfolgenden Dichtungen; mit Spannung folgte Deutschland seinen historischen Arbeiten; selbst seine philosophi- schen Abhandlungen erweckten sich einen verhältnissmässig grossen Kreis theilnehmen- der Leser, vor allem bezeichnend erscheint aber die begeisterte Aufnahme, welche ihm bei seinem ersten Auftreten als Docenten die akademische Jugend Jenas bereitete. An einem Dinstage, am 26. Mai 1789 eröffnete Schiller sein historisches Colleg mit
der allbekannten Vorlesung; Was heisst und zu welchem Ende studiert man Univer- er


