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In ihrer Mutterfreude kann ſie es aber auch nicht vergeſſen:„Aller Segen kommt von oben, vom Vater des Lichtes.“ Von der um ſie verſammelten Schar ihrer Söhne und Freunde geht darum ihr dankbarer Blick hinauf zu Gott, der 5 Jahrzehnte hindurch ſeine Hand ſchützend, fördernd, ſegnend über ſie gehalten, ſie durch Sturm und Sonnenſchein glücklich hindurch geführt, der ihr wackere Arbeits⸗ genoſſen und treue Freunde gegeben, der ihr nach langem Aufenthalte im gaſtlich geöffneten fremden Hauſe ein freundlich eignes Heim gegeben. Aus ihrem Herzen ringt ſich los ein inniges und fröhliches: „Allein Gott in der Höh' ſei Ehr und Dank für ſeine Gnade“, ſie ſagt Ja und Amen zu dem Dank⸗ und Lobliede des Pſalmiſten:„Lobe den Herrn meine Seele und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat“, ſie muß mit Freude im Herzen— und wir ihre Arbeitsleute, ihre Söhne und Freunde mit ihr — bekennen:„Bis hierher hat der Herr geholfen.“
Bis hierher.— Das treibt ſie auch, in die Zukunft blickend, ſich der großen Aufgabe zu er⸗ innern, die ſie mit ihren Arbeitsleuten, ihren Freunden und Beſchützern zu löſen hat, der Aufgabe, die ja im Laufe der Jahrzehnte bei dem Bildungsdrange unſerer Zeit nicht kleiner, ſondern größer ge⸗ worden, ihrer Wünſche und Hoffnungen, die ſie für ihre Söhne, die jetzigen und die künftigen, hegt.
Sie möchte gebildete Söhne haben, die gebildet ſind an Wiſſen und Verſtändnis, aber auch an Herz und Gemüt, an Willen und Charakter;— ſie ſagt uns, die wir in irgend einer Be⸗ ziehung zu ihr ſtehen: Helft mir denn ſolche Bildung erſtreben, die den Menſchen einführt in die mannig⸗ fachen Gegenſtände des Wiſſens, aber auch das Herz läutert, den Willen heiligt und erwärmt für alles Große, Schöne und Edle auf Erden.
Sie möchte freie Söhne haben, deren Herzen frei ſind von aller Menſchenfurcht und Menſchen⸗ gefälligkeit, frei von allem Unedlen und Unreinen;— ſo laßt uns denn ihr helfen, die ihr anvertraute Jugend zu dieſer Freiheit führen.
Sie möchte feſte Söhne haben, die einſt feſt ſtehen in ihrem Berufe, feſt und unverzagt auf dem Platze, der ihnen von Gott angewieſen wird in Gemeinde und Staat, in Schule und Kirche; ſo laßt uns denn dafür ſorgen, daß ihr Herz frühzeitig feſt werde.
Sie möchte deutſche Söhne haben,— ſie iſt ja eine deutſche Mutter;— ſo laßt uns denn dafür arbeiten, daß wie von altersher Treue das Band bleibe, das Fürſten und Volk an einander bindet, Liebe das Band, das die Söhne dieſer Schule ans Vaterland, das weitere wie das engere, unauflös⸗ lich kette.
Sie möchte geſunde, friſche Söhne haben;— ſo wollen wir uns denn freuen an dem munteren Treiben unſerer Jugend auf ihren Spielplätzen, an ihrer Sanges⸗ und Wanderluſt, die das Herz fröhlich und den Körper rüſtig macht, wollen ihr gönnen jede Freude, wenn ſie nur keuſch iſt und lieblich und wohllautet, wollen aber ebenſo entſchieden fordern, daß ſie lerne ſich ſelbſt verleugnen, ſich enthalten alles Dieſes, das ſie aufhält in ihrem Laufe.
Sie möchte aber auch— ſie würde ſich ſelbſt verleugnen, wenn es anders wäre— Söhne haben, die den Vater im Himmel lieben und ehren, die im Gottesglauben ihren Halt haben in Freud und Leid; ſo laßt uns denn pflegen jene Gottesfurcht, die da iſt aller Weisheit Anfang.
Sie möchte mit einem Worte Söhne, die der Mutter Ehre machen in ihrem Viſſen und Können, in ihrem Reden und Thun. So ſetzet denn, ihr heranwachſenden Söhne dieſer Schule, eure ganze Kraft ein; faſſet mit klarem und feſtem Willen das Ziel ins Auge; laßt es nicht fehlen an der ernſten Arbeit und dem unabläſſigen Ringen; benutzt alle Euch gebotenen Mittel; nützt aus alle Stunden, damit die Schule, eure Mutter, ſich eurer freuen kann.
Der Herr unſer Gott aber ſei uns freundlich und fördere unſer Werk! Vor ſeinen Himmels⸗ thron treten wir und ſprechen:
„Herr Gott, du biſt unſere Zuflucht für und für, ohne dich können wir nichts thun. In deine ſchützende Hand befehlen wir auch für die kommenden Jahre unſere Schule, ihr Heim, ihre Leiter und Lehrer, wie ihre Schüler; ſegne die Arbeit der Lehrer und verleihe ihnen freudige Arbeitsluſt und die Liebe, die langmütig und freundlich iſt; ſegne die Arbeit der Schüler und verleihe ihnen Fleiß und Gewiſſen⸗ haftigkeit, Unverdroſſenheit und friſchen Mut. Verleihe unſerer Schule allezeit treue Freunde und eif⸗ rige Fürſprecher in unſerer Stadt und bei den Behörden. Vor allem aber gieb eins: daß dein Geiſt hier walte, daß fort und fort dein Name hier bekannt werde, Herr unſer Gott, Amen!


