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das ſtolze Spanien herabſank von der Spitze der Nationen, habt ihr nicht ſelbſt noch miterlebt, wie ein von Müßiggang, Völlerei und Zügelloſigkeit großgezogener Wahnſinn in der pariſer Commune zum ſcheußlichſten Ausbruch gekommen iſt?
Und hat Euch nicht wieder die Schule hingewieſen auf die großen und ergreifenden Beiſpiele edler, in ſtrenger Zucht und Arbeit erzogener Männer und Völker, auf ihr glückliches, durch Jahr⸗ hunderte leuchtendes Leben? Hat ſie Euch nicht ſelbſt angehalten, Geſetz und Sitte zu achten, Fleiß und Mühe aufzuwenden und Herz und Sinn zu eröffnen für Alles Ideale, das den Menſchen adelt und heiligt?
So geht denn hin, werdet Männer, werdet Bürger unſeres Vaterlandes in dieſem Euch vor⸗ gezeichneten Sinn! Wirke Jeder an ſeinem Platz, Jeder nach ſeiner Kraft und beweiſt hiermit uns, Eueren Lehrern, den ſchönſten und verdienſtvollſten Dank. Ihr werdet dann einen guten Kampf kämpfen und nicht allein ſtehen. Ueberall werden Gleichgeſinnte, Gleichbeſeelte Euch die Hand reichen und vor dem lichten Panier, das Euch vorausweht, wird das finſtere Geſpenſt zurickweichen⸗ Noch lebt ein Gott— zu ſtrafen und zu rächen!
Ja Deutſchland— liebes theures Vaterland, du ſollſt nicht dein Antlitz verhüllend deiner Söhne dich ſchämen. Wie herrlich biſt du aufgeſtanden vor wenig Jahren und haſt deine Schaaren hinausgeführt gegen einen alten Erbfeind, der ſtets mit halbgezücktem Schwert dir gegenüber ſtand— dir noch gegenüber ſteht. Noch ſchlagen Dir treu vollwerthige Herzen, noch wächſt dir heran eine deutſche Jugend, die glaubt, hofft und liebt, der ein Gott im Buſen lebt.
Heute wird das Gefühl deſſen ſo recht lebendig in uns, heute, am Vorabend jenes Tages, auf dem vor neun Jahren die deutſchen Fahnen rauſchten, die deutſchen Schwerter blitzten, die deutſchen Söhne bluteten und ſiegten. Tag von Sedan— CEhrentag unſeres Volkes, deiner denken wir mit gerechtem Stolz. Solche Thaten vollbringt kein verkommenes Volk. Reißen wir aus unſerem geſunden Körper das bösartige Geſchwür, zertreten wir den an ihm nagenden Wurm und in Kraft und Würde wird unſer Deutſchland ferner daſtehen, geachtet von ſeinen Nachbarn, geliebt von ſeinen Söhnen, geſegnet von ſeinem Gott.
So vereinigen denn alle hier Verſammelten ihre Stimmen zu dem Rufe: unſer theures Vater⸗ land— Deutſchland Hochll!


