Aufsatz 
Beschreibung des neuen Gymnasialgebäudes / von dem Stadtbaumeister Gollhofer
Entstehung
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In der Mittelachse der Hauptfront ist der Haupteingang angeordnet. Derselbe ist durch einen Vorbau, sowie durch eine grosse Freitreppe in der Front besonders hervorgehoben.

Drei weitere Zugänge befinden sich auf der Rückseite des Gebäudes.

Ein geräumiges, helles Treppenhaus vermittelt in bequemer Weise den Verkehr im Gebäude. Die Treppenlaufbreiten betragen 3 bezw. 2 m, die Geschosshöhen 4,30 m. Sodann befindet sich am äussersten Ende des Nordflügels eine Nebentreppe mit 1,50 m Laufbreite, die durch alle Geschosse bis zur Aula-Empore führt.

Sämtliche Gebäude sind durchaus massiv hergestellt. Die Decken aller Räume sind in Bimsbeton mit Eiseneinlage, die der Korridore in gemauerten Kreuzkappen ausgefährt. Das Aeussere des Gebäudes, welches die innere Einteilung klar zum Ausdruck bringt, ist in ein- fachen Formen der deutschen Renaissance entwickelt unter Verwendung von Trachyt-Schicht- steinen für den Sockel und rotem Mainsandstein zu den übrigen Architekturteilen. Die Mauerflächen sind mit silbergrauer Terranova(Besenstrich) verputzt. Einzelne Teile der Hauptansichten, z. B. Mittelbau mit Portal, Aulagiebel u. s. w. sind durch Bildhauer-Arbeiten reicher gestaltet, sodass das Aeussere sich durch die Farbenunterschiede der verwendeten Materialen, sowie der dunkelblauen Schiefer-Dachflächen im Rahmen des Waldkegels in stimmungsvoller, würdiger Form darbietet. Die Hinterfronten des Hauptgebäudes, sowie die Ansichten der Turnhalle und des Abortgebäudes haben eine einfachere Behandlung erfahren.

Tritt man durch das Haupt-Portal in das Gebäude ein, so gelangt man durch einen einfach gehaltenen Vorraum in den geräumigen mit Kreuzkappen überspannten Korridor; die Kreuzkappen ruhen mit ihrem Widerlager auf Konsolen in mannigfachen Ornament-Aus- bildungen. Die Sockel sind durch Mosaikplatten in Felder eingeteilt, die nach oben hin ihren Abschluss auf der einen Seite durch einen mit schmalen Platten eingefassten farbigen Fries und auf der anderen Seite durch die Garderobehakenleisten finden. Die Korridore machen im Verein mit dem Treppenhause durch ihre farbige Behandlung und räumliche Wirkung einen wohltuenden Eindruck.

Die einzelnen Klassenräume gewähren durch ihre farbige Behandlung mit ihren ver- schiedenen Friesmustern, den in hellen Tönen gehaltenen Wänden, sowie den grün lasierten Holzpaneelen einen behaglichen und wolinlichen Eindruck. Die Aula erhielt als Repräsen- tationsraum eine reichere Ausstattung. Der Raum, dessen schöne Verhältnisse angenehm berühren, stellt mit seinem glatten Eichenholz-Parkettboden, der reichen Wandvertãfelung am unteren Teile der Wände, den hohen mit reichen Glasmalereien verzierten Fenstern, den durch leichte Profile und Ornamente in Felder eingeteilten und stimmungsvoll abgetönten und ausgemalten Decken- und Wandflãchen, einen stattlichen Festraum dar.

Drei 12-flammige und zwölf 3-flammige Bronze-Kronleuchter sorgen für ergiebige Be- leuchtung des Raumes.

b) InnerelEinrichtung.

Bis auf geringe Ausnahmen sind die gesamten Subsellien und Einrichtungsgegenstände neu beschafft worden.

Als Schulbank wurde, da noch mehrere gute zweisitzige Bänke nach System Fuhrmann und Hauss zu Frankenthal vorhanden waren, dasselbe System gewählt.

Jede Klasse ist mit einer umdrehbaren Wandtafel, einem durchgehenden Podium mit Katheder, Zugrouleaux, Papierkasten, Schwamm- und Kreidekasten, Spucknapf und einem Wandschrank ausgerüstet. Die übrigen Räume, wie Direktorzimmer, Lehrerzimmer, Bibliothek, Sammlung etc. sind mit zweckentsprechenden Mobilien und Unterrichtsgegenständen ausgestattet.

Die Aula, welche insgesamt 500 Personen fasst, hat teils sechssitzige Bänke mit perforiertem Sitz und Lehne, teils Stühle erhalten; Kleiderhaken, Schirmständer und Spuck-