Aufsatz 
Medea, Tragödie von Seneca / im Versmaß des Originals übersetzt und mit erläuternden Anmerkungen versehen von dem Gymnasiallehrer Dr. Karl Oßwald
Entstehung
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Nicht wie ſie's lenkt vollſtrahlenden Aug's Die Nächte hindurch; nein, blaßgelb und

Mit mürriſchem Blick, wenn Zauber ſie drängt Des Theſſaliſchen Weib's und hin ſie fährt Mit ſtrafferem Zaum. So gieß' denn bleich Den düſteren Schein her durch die Luft,

Und ſchrecke die Welt, wie nie du es that'ſt. Es töne, Dictynna, zum Schutze für dich

Des Korinthiers Erz von köſtlicher Art.

Dir weih' ich, von blutigem Raſen erbaut, Hier dieſen Altar. Dir flammt in der Nacht Die Fackel, die her aus der Mitte der Gruft Ich holte für dich. Scheu werf' ich das Haupt Und beuge den Nacken im Fleh'n zu dir.

Wie Todtengebrauch es erheiſcht, lieg' ich, Das wallende Haar von der Binde gefaßt. Dir ſpend' ich den trauerverkündenden Zweig Vom ſtygiſchen Fluß. Ich entblöße die Bruſt Nach Art der Mänade und ſchlitze den Arm Mit heiligem Stahl.

Hin fließe mein Blut zu deinem Altar.

Ja, wag' es, o Hand, zu zücken den Stahl Und kalt zu vergießen das theuere Blut! Schon ſtröm' ich verwundet den Weihguß hin. Doch zürneſt du, weil ſo oft ich dich ruf',

So bitte ich, daß du verzeih'ſt mein Fleh'n. Jaſon ja iſt einziger Grund,

O Perſeskind, daß oft ich erfleh'

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Das innerſte Mark. Im röthlichen Gold Schloß ein ich des Feuers gewaltige Macht; Mir gab es und lehrte mich bergen mit Kunſt Die Kräfte Prometheus, der den Raub

Vom Himmel mit wachſender Leber noch büßt. Dann hab' ich von Mulciber Brandſtoff auch, Mit Schwefel bedeckt, und Blitze dazu

Mit lebendem Strahl von Helios Sohn,

Den Ohm ich nenne; und dies hier iſt

Der Chimäre Geſchenk.

Auch Feuer beſitz' ich, dem flammenden Schlund Der Stiere entrafft; dem miſcht' ich bei Meduſa's Galle, daß ſtill es bewahr'

Des Zaubers Gewalt.

Nun reize die Gifte mir, Hekate, gut Uud berg' in den Gaben den Keim zur Gluth,

Daß ſie täuſchen den Blick und die prüfende Hand,

Doch in's Herz eindringe der zehrende Brand.

Es triefen die Glieder, es dampf' das Gebein

Und über der Brautfackel ſtrahlenden Schein

Leucht' weit die Verlobte mit flammendem Haar.

Mein Fleh'n iſt erhört; dreimalig Gebell

Sandt' Hekate kühn, und zaubriſches Licht

Von grauſiger Fackel erſchien mir zugleich.

Medea kommt in den Vordergrund.

Vollendet iſt der Zauber.(Jur Amme) Ruf' die Kinder jetzt Daß ſie die reichen Gaben bringen hin zur Braut.

Die Kinder kommen.

Mir Hilfe von dir. O tränke mir nun I Das Kleid für die Braut, daß, wenn ſie's trägt, Einſchleichende Gluth ausdörre ſofort

845 Geht Kinder, einer Unglücksmutter Kinder, geht, Gewinnt mit Bitten und Geſchenken euch die Gunſt V Der Herrin und Stiefmutter. Geht, doch kehret ſchnell

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. Prometheus. . Muleiber, Beiname des Feuergottes Vulkan, der das harte Metall erweicht.

. Die Sprüche der theſſaliſchen Zauberinnen hielt man für beſonders wirkſam, um die Mondgöttin auf die Erde herabzulocken. . Dietynna,die Garnerin, Beiname der Diana als Jagdgöttin, den ſie hier auch als Mondgöttin führt. Der Ton des Erzes ſoll bewirken, daß ſie die Zau⸗

berſprüche nicht hört.

.. Gegenſtände aus Gräbern hielt man zu unheilvollem Zauber für beſonders wirkſam; aus demſelben Grunde wird V. 801 der Zweig eines Baumes am Styr erwähnt.

S. zu V. 708.

Chimäre, ein Ungeheuer, dem die Phantaſie der Dichter oben die Geſtalt eines Löwen, in der Mitte die einer Ziege und unten die eines Drachen gab. Ihrem ungeheueren Rachen entſtrömten Feuerflammen, ſo daß Niemand ſich ihr nahen konnte. Endlich ward ſie von Bellerophon erlegt, weil ſie in Lycien große Ver⸗ wüſtungen anrichtete.

Meduſa, die jüngſte der Gorgonen, weiblicher Ungethüme, mit Schlangenhaaren, Goldflügeln, ehernen Füßen und Händen. Die beiden älteren Schweſtern hießen Euryale und Stheno. Meduſa, die allein ſterblich war, bezwang Perſeus, worauf Athene daz Haupt derſelben auf ihren Schild oder Bruſtharniſch verſette.