Aufsatz 
Medea, Tragödie von Seneca / im Versmaß des Originals übersetzt und mit erläuternden Anmerkungen versehen von dem Gymnasiallehrer Dr. Karl Oßwald
Entstehung
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Ier Hochzeitsgötter, und der Ehen Schirmerin,

Erſter Aci.

Erſte Scene. V Medea immer rufen darf: O Urgewirr V 10 Der ew'gen Nacht! O Reich, vom Himmel abgewandt!

Medea, allin. unſel'ge Geiſter alle! Herr des Trauerreichs,

a.

Und Herrin du, mit größ'rer Treu' entführt als ich!

Lucina! Du, die Tiphys lenken ſelbſt gelehrt Euch ruf' ich mit unſel'gem Ruf. Du Rachechor

V.

Das Wunderſchiff, das zähmen ſollte kühn die Fluth! Mit ſchmutz'gem Haar von aufgelöſter Schlangenbrut,

Du auch, der Meerestiefe ſtrenger Herr! und du, 5 O Titan, der dem Erdkreis bringt den lichten Tag!

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s Die düſt're Fackel ſchwingend in der blut'gen Hand,

Herbei! ſo ſchrecklich, wie an meinem Brautbett einſt

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Du, die den ſtillen Opfern leiht ihr wiſſend Licht, Du haſt geſtanden. Bringe Tod der neuen Braut;

O dreigeſtalt'ge Hekate! Ihr Götter all', Bring' Tod dem Schwiegervater und dem Königsſtamm!

Bei denen mir Jaſon ſchwur! Ihr endlich, die Noch Schlimmeres aber wünſch' ich an dem Bräutigam:

1. 2.

13.

Als Hochzeitsgötter, unter deren Schutz man die Neuvermählten ſtellte, hat man beſonders Inpiter, Juno, Venus, Hymen, Diana und Peitho anzuſehen. Lucina, d. i. Lichtgöttin, heißt Juno als Geburtsgöttin. Die Chefrauen ſeierten ihr am 1. März die Matronalia, indem ſie bekränzt zu dem Tempel der Juno Lucina auf dem Esquiliniſchen Hügel zogen und unter Gebeten für das Glück der Ehe Blumen weihten. Dies Feſt war der Sage nach von Romulus zum An⸗ denken an die Stiftung der Ehen eingeſetzt. vergl. Ov. fast. 3, 179 ff. Tiphys, der Erbauer und Steuermann des Wunderſchiſſes Argo, wird, wie alle Techniker, als Schüler der Minerva angeſehen.

Der Meerestiefe Herr iſt Neptun, der die Wolken zuſammentreibt, mit ſeinem Dreizack Stürme erregt und die Erde erſchüttert. Die alten Künſtler ſtellen ihn in kräftig⸗ruhender Stellung dar. Der eine Fuß ruht gewöhnlich auf einem Felſen oder Schiffsſchnabel, auf einer Kugel oder einem Delphin. Sein Anſehen zeugt von Ernſt und Strenge.

Titan wird der Sonnengott als Sohn des Titanen Hyperion genannt.

Hekate, eine alte Gottheit, über welche vielſache Sagen beſtehen. Heſiod(theog. 411 452.) rühmt ſie als eine vor allen Titanen hochgeehrte Göttin, welche im Himmel, auf Erden und im Meere waltet, Glück und Sieg, glückliche Schifffahrt und Jagd und Gedeihen der Heerden verleiht. Seit den Tragikern erſcheint ſie beſonders als unterirdiſche Gottheit, die unter den Schatten waltet und zugleich als nächtliche, geſpenſtiſche Zaubergöttin über die böſen und ſchädlichen Dämonen herrſcht und die Menſchen durch Geſpenſter ſchreckt. Sie ſchwärmt mit den Geiſtern der Todten in der Nacht auf Dreiwegen und an Gräbern umher. Die Zaube⸗ rinnen, welche in der Nacht die durch ihr Mondlicht gekräftigten Zauberkräuter aufſuchen und ihre verderblichen Beſchwörungen vornehmen, ſtehen unter ihrem Schutz und haben ihre Kunſt von ihr gelernt. Die bildende Kunſt ſtellt ſie gewöhnlich mit drei Köpſen, einem Pferde⸗, einem Hunds⸗, und einem Löwenkopf dar. Ihr Bildniß wurde oft an Dreiwegen aufgeſtellt.

Als Zauberin iſt Medea beſonders mit den Mächten der Unterwelt, dem Chaos und dem Schattenreiche verbündet. Daß ſie bei Anrufung des Pluto und der Proſerpina zugleich an den Raub der letzteren denkt, iſt ihrer Lage ganz angemeſſen.

Rachechor, nämlich die Furien, Alekto(die nie Raſtende), Tiſiphone(die Rächerin des Mordes) und Megära(die Feindliche). Wie dieſe Rächerinnen jedes Frevels ſie einſt gequält haben, als ſie ſich in Unthat mit Jaſon verband, ſo ſollen ſie auch jetzt den Treubruch beſtrafen.