Aufsatz 
Der Neubau der Oberrealschule II zu Cassel / von Heinrich Arnolt
Entstehung
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giebige Lüftung der Flure gesichert, genügender Raum für die Unterbringung der Überkleider beschafft und der Verkehr im ganzen Gebäude wesentlich erleichtert. Neben dem Hauptein- gange, also am Vereinigungspunkte der Flure des östlichen Quer- und des Mittelflügels, liegt die Haupttreppe, vor der der Flur hallenartig erweitert ist. Sie führt vom Erdgeschoß nach dem dritten Obergeschoß; von da aus führt eine besondere Treppe nach dem Dachboden und eine weitere kleine Wendeltreppe über das Dach hinaus zur Plattform, welche trigonometrischen Messungen und astronomischen Beobachtungen dient und auch im heimatkundlichen Unterricht verwendet wird. Außerdem sind zwei Nebentreppen vorhanden, welche beide vom Keller- geschoß nach dem dritten Obergeschoß führen; die eine liegt im östlichen Querflügel, die andere im Aulaflügel. Letztere hat zwischen den einzelnen Treppenläufen einen Hohlraum zur Auf- nahme des Foucault'schen Pendels erhalten. Eine vierte Treppe vermittelt den Verkehr von der Turnhalle und der Milchküche nach dem Erdgeschoß. Außerdem ist eine kleine Treppe in der Nähe des Schuldiener-Zimmers angeordnet, um von diesem möglichst schnell zu den Heizräumen gelangen zu können.

Klassenzimmer. Die Klassenräume haben je nach der Schülerzahl eine verschiedene Länge erhalten. Die unteren Klassen mit je 50 Schülern sind rund 8,80 m, die mittleren mit je 40 Schülern rund 7,85 m und die oberen mit je 30 Schülern rund 6,90 m lang. Die Breite beträgt im Erdgeschoß 6,29, bzw. 6,35 m, in den Obergeschossen 6,48 m. Die Klassentür ist in allen Fällen vor der Achse des Querganges zwischen Lehrersitz und den vordersten Bänken angeordnet. Dadurch ist es erreicht, daß der Lehrer beim Eintritt in die Klassen von allen Schülern gesehen wird und ebenso er selbst die Tür jederzeit leicht beobachten kann. Die Laibungen der Tür sind nach dem Flur hin abgeschrägt, damit die Püren beim éffnen nicht, zu weit in den Flur reichen. Neben der Tür befindet sich in jeder Klasse ein Wandschrank, der drei getrennte, besonders verschließbare Abteile enthält zum Aufbewahren der Schülerhefte, der Schülerbibliothek usw.

Die Bänke sind mit festem Sitzbrett und mit fester Schreibplatte, also mit unverän- derlicher Minusdistanz(1 cm) nach System Rettig als Zweisitzer gebaut. Infolge der Größen- verhältnisse der Schüler mußten für jede Klasse drei, bzw. vier verschiedene Bankgrößen gewählt werden. Durch die Umlegbarkeit dieser Bänke ist eine bequeme Reinigung gesichert.

Der Lehrersitz, das Katheder, ist auf einem Podium an der den Schülern gegenüber- liegenden kurzen Wand des Raumes aufgestellt, und zwar möglichst nach der Fensterseite hin, um einerseits dem Lehrerplatz gute Belichtung zu sichern, und andererseits für die seitlich vom ihm anzubringende Wandtafel Platz zu gewinnen. Die Wandtafeln sind 4 m lang und 1 m hoch und haben außerdem zwei Klapptafeln von je 1 dm Größe, die senkrecht zur großen Tafel festge- stellt werden können, zwei Schwammkästen aus Zink und eine Leiste zum Ablegen der Kreide. Mit Ausnahme einer 1 qm großen Fläche, die einen grauen Anstrich für erdkundliches Zeichnen mit farbiger Kreide erhalten hat, sind alle Flächen schwarz gelassen und zum Teil, den Wünschen der Lehrerschaft entsprechend, mit Linien oder einem roten Quadratnetz versehen. An der Umrahmung der Tafel ist eine 4 m lange Stange zum Aufhängen von Bildern vorge- sehen. Ergänzt wird die Ausstattung der Klassen durch einen König'schen Kartenständer, einen Stuhl, drei, bzw. zwei Vorhänge, ein Transparent-Thermometer, welches die Klassen-Temperatur vom Flur und von den Klassen aus erkennen läßt, Spucknäpfe, einen Papierkorb und, je nach der Größe des Raumes, neun oder sechs Beleuchtungskörper.

Ehe wir die Klassenräume verlassen, möge noch ein Wort über den Wandanstrich gestattet sein, da er von größtem Einfluß auf die Raumwirkung ist. Für den inneren Ausbau