Aufsatz 
Der Neubau der Oberrealschule zu Kassel und die Feier der Einweihung
Entstehung
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Mächtig braust vom Chor hernieder Feierlicher Orgelklang; Ihn durchtönen Weihelieder, Jugendfrischer Lobgesang. Dieses neuen Saales Wände Hallen willig ihn zurück, Und wir reichen uns die Hände, Wünschend unsrer Schule Glück.

Heut den Blick zum Himmel wendend, Gottes Segen zu erflehn, Hoffen wir, dass er, ihn sendend, Allzeit treu wird zu uns stehn. So sei denn in Seinem Namen, Unsre Schule, Du gegrüsst; Spriessen lass' der Weisheit Samen, Die des Lebens Lust versüsst!

Nicht mehr jung bist Du an Jahren! Jugend zeigt nur Dein Gewand; Auf Dich sehen Schülerscharen, Die heut trennet Fluss und Land. Fünf und fünfzig Jahre schwanden, Seit in Deinem alten Heim Noch in Jugend Du gestanden, Starker Baum aus schwachem Keim!

Deines Stammes mächt'ge Stärke, Deiner Zweige grosse Zahl Zwangen zu dem schönen Werke, Dessen Zierde dieser Saal.

Dieser Saal von hoher Schöne

Ist Dein Puls, Dein schlagend Herz; In ihn rufst Du Deine Söhne

Wie in Freude so in Schmerz.

Ob die Welt in Flitter glänze, Hier strahl' ew'ger Wahrheit Licht; Fleiss und Treue sei'n die Kränze, Die man Dir zu Ehren flicht. Deinen alten Ruhm zu mehren, Braucht es andrer Kräfte nicht: Mit Dir kommt dies Haus zu Ehren, Draus bis jetzt nur Baukunst spricht.

An die Arbeit unverdrossen Legen drum wir frisch die Hand. Uns, die durch Dich Hausgenossen, Bilde Du Herz und Verstand. Wollest ferner uns entzünden Für der Bildung hohen Wert; Dann wird Jahr um Jahr verkünden, Wie Dein Ruhm sich hat gemehrt.

Blüh' denn, wachse und gedeihe, Schule in dem neuen Haus. Der Geschlechter lange Reihe Ziehe in Dir ein und aus. Über Dir sei Gottes Segen, Mit Dir guter Menschen Huld, In Dir herrsche geist'ges Regen, Starker Wille und Geduld!

Und sind wir dereinst verfallen Längst dem Staub der Zeitlichkeit, Möge Lobgesang hier schallen Hin bis in die fernste Zeit.

Viel Jahrzehnte, manch Jahrhundert Mögen Dir beschieden sein,

Mögest stehn Du stets bewundert In der deutschen Schulen Reih'n!

Nachdem die Schüler das Abt'sche Lied:In der Heimat ist es schön gesungen, ergriff der Direktor das Wort und führte folgendes aus:

Hochgeehrte Festversammlung! Wenn ich das Gebäude, welches Herr Oberbürgermeister Westerburg mir mit so freundlichen Worten übergeben hat, übernehme und zum ersten Male als Direktor dieser Schule an dieser Stelle das Wort ergreife, so kann es nur geschehen, um dem Gefühle des Dankes und der Freude Ausdruck zu geben. Zunächst sage ich für die Auszeich- nungen, die der Schule zu Teil geworden sind, Sr. Majestät und den vorgesetzten Behörden Dank, und dabei sei mir gestattet hinzuzufügen, dass unsere Freude dadurch noch besonders erhöht worden ist, dass Se. Excellenz der Herr Oberpräsident selbst in so herzgewinnender Weise und mit so gütigen Worten die Auszeichnungen verkündet hat.

Doch die Ehre des Tages gebührt der Stadt allein, denn sie hat ein grosses Werk ge- schaffen, ein Werk, auf das sie mit Stolz und Befriedigung blicken darf. Wie dieses Verdienst auch von Allerhöchster Stelle anerkannt wird, ist bereits durch den beredten Mund des Herrn Regierungs-Präsidenten ausgesprochen worden.