und Beredtsamkeit, scharfem Verstande, vielseitigem Interesse, aber streng conservativ in Religion und Politik und unbeugsam, ja eigensinnig und tyrannisch in der Verfolgung seiner katholischen Pläne. Wilhelm den Mittleren, welcher im Jahre 1500 Herr des gan- zen Hessenlandes geworden war, verdross es, dass er ihm in dem pfälzischen Erbfolgekriege (1504) die versprochenen Hülfstruppen nicht schickte 46). Sonst wissen wir nichts von ihrem Verhältnisse zu einander.
Wilhelm der Mittlere von Hessen starb im Jahre 1509. Es folgten, da sein Sohn Philipp erst 5 Jahre alt war, Unruhen über Unruhen wegen der vormundschaftlichen Regie- rung, bis die Casseler im Jahre 1514 die Gesandten Sachsens und Brandenburgs, die sich als Erbverbrüderte in ihre Angelegenheiten mischten, vertrieben und die Landgräfin Anna als Regentin einsetzten ⁴⁷).
Zwar knüpſte die Landgräfin Heirathsverbindungen für ihre Kinder Elisabeth und Philipp mit dem Herzoge Georg von Sachsen und dem Kurfürsten Joachim von Brandenburg an (1516) ⁸⁸), aber die Verhandlungen mit Letzterem führten nicht zu dem gewünschien Ziele. Landgraf Philipp vermählte sich im selbigen Jahre 1523, in welchem Anna von Branden- burg, die ihm bestimmte Braut, den Herzog Albrecht von Mecklenburg heirathete, mit Georgs von Sachsen Tochter Christine ⁴⁹).
Die hessische Ritterschaft, mit der Regentin nicht zufrieden, veranlasste den erst vier- zehnjährigen Erbprinzen Philipp, sich vom Kaiser Maximilian I. für volljährig erklären zu lassen, was im Jahre 1518 geschah.
Mit dem Landgrafen Philipp dem Grossmüthigen von Hessen(1518— 1567) treten wir in das Reformationszeitalter im engeren Sinne ein. Bei seinem Regierungsantritte hatte Luther schon das Signal der Reformation gegeben. Jedermann weiss, was Deutschland hierin dem heldenmüthigen Landgrafen und seinen Nachfolgern verdankt; und das wird gewiss auch Preussen dem Hessenlande nie vergessen. Seit Philipps offenem Bekenntnisse zu den Grund- sätzen der Reformation(1525) haben die Landgrafen von Hessen stets mit hellem Blick und starkem Arm das Kleinod der evangelischen Freiheit hoch gehalten und vertheidigt.
Anders verhielt sich Joachim I. zu der grossen Frage der Zeit. Seiner Herrschernatur war jede Volksbewegung zuwider: er hielt um so zäher an dem alten Glauben fest, je kühner sich die„»Ketzer« erhoben.
Bei der Unterdrückung des Bauernaufstandes unter Thomas Münzer(1525) waren die erbverbrüderten Fürsten von Sachsen, Brandenburg und Hessen zu Mühlhausen noch einmal
⁴⁰) Rommel, III. S. 154 und Anm. S. 107.
4) Rommel, III. S. 225.
**) Rommel, III. S. 233.— Droysen, II. 2, S. 99. ⁴⁹½) RommeV!l, III. S. 286.


