Aufsatz 
Rede des Oberlehrers Bräuning. Gehalten am 27. Januar 1912 anläßlich der Geburtstagsfeier Kaiser Wilhelms II
Entstehung
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ist wie der seines Lehrers, seines Direktors. In diesem Geiste wollen wir zusammen- stehen: einer für alle und jeder dem Ganzen verpflichtet. In diesem Sinne gilt für uns: bene vivit, qui multis vivit; bene vivit, qui sibi vivit. Freilich dürfen wir auch damit nicht glauben, alles getan zu haben, und dass es an uns Menschen selbst mit unserem guten Willen genug sei zum Erfolge, zum Gedeihen. Mit einem Choral, mit einem Lobgesang haben wir diese Feier eröffnet. Wir alle stehen in einer höheren Gewalt, die unsre Wünsche und Gebete erreichen, die wir aber nicht herabzwingen können. Dass Gottes Segen vor allem anderen diesem Hause nicht fehle, das ist unser letzter und höchster Gedanke und Wunsch. Amen.

Das Sedanfest wurde in der üblichen Weise durch eine Schulfeier in der Turnhalle begangen, wobei Herr Prof. Dr. Spranck die Festrede hielt. Ein Kriegsveteran erzählte im Anschluss daran der Jugend seine Erlebnisse aus dem Feldzug.

Am 30. September wurde des 100 jährigen Geburtstages der Kaiserin Augusta in allen Klassen in angemessener Weise gedacht.

Durch den Herrn Minister war angeordnet worden, dass die 200 jährige Wiederkehr des Geburtstags König Friedrichs des Grossen(am 24. Januar 1912) zugleich mit der Kaisersgeburtstagsfeier, also am 27. Januar, festlich begangen werden sollte. Die Feier fand am gedachten Tage von 10 ½ Uhr an in der Turnhalle statt. Nachdem der Direktor einen Psalm verlesen und der Schülerchor, unter Leitung des Herrn Barth, mehrere Lieder gesungen hatte, eins davon auch mit Instrumental-Begleitung durch ein kleines Schüler- Orcchester, das sich auch noch allein hören liess, trugen einzelne Schüler Gedichte vor, die

sich auf Friedrich II. bezogen. Mehrere im Auftrage S. M. des Kaisers der Schule über- wiesene Bücher, die unter den Geschenken angeführt sind, wurden unter würdige Schüler als Prämien verteilt. Zum Schluss hielt Herr Oberlehrer Bräuning die Festrede, die auf

Wunsch des Curatoriums dieser Anstalt im Wortlaut diesem Jahresbericht beigegeben wird.

Im Herbst bestanden 2 Realprimaner die Schlussprüfung.

Im November besuchte Herr Prof. Spranck mit der IIIr den Zoologischen Garten in Frankfurt a. M. Am 12. März besichtigten die 3 oberen Klassen des Gymnasiums unter Führung des Unterzeichneten die Saalburg.

Die Oberprimaner unseres Gymnasiums fertigten die schriftlichen Prüfungs-Arbeiten vom 29. Jjanuar 1912 bis zum 2. Febr. an. Die mündliche Prüfung fand am 29. Febr. und 1. März statt.

Der Gesundheitszustand der Lehrer und Schüler war im allgemeinen recht günstig. Erkältungskrankheiten unter den letzteren, die besonders nach Neujahr in einzelnen Klassen etwas häufiger auftraten, wurden von einigen Aerzten auf gewisse Uebelstände in den baulichen Verhältnissen, z. B. Ueberfüllung einiger Klassenzimmer, zurückgeführt. Ein besonders arger Uebelstand ist die Schmalheit und Enge der Korridore, die es nicht erlaubt, dass die Schüler, wenn es stark regnet, während der Pausen die Klassenzimmer verlassen. Es ist sehr zu wünschen, dass die schon längst als notwendig erkannte Erweiterung oder Erneuerung der Schulräume nun endlich in die Wege geleitet wird, da die vorhandenen Räume der wachsenden Schülerzahl entschieden nicht mehr genügen.

Wegen der aussergewöhnlich starken Hlitze im August und September 1911 musste der Unterricht nicht bloss am Nachmittag sondern oft schon von 9 Uhr an wiederholt aus fallen. Dieser Umstand in Verbindung mit andern Unterbrechungen und Wechsel im Unter- richt, dazu auch die Einführung der Kurzstunde, stellten in diesem Jahre Lehrer und Schüler in der Bewältigung der unverkürzten Lehrpensen vor aussergewöhnlich grosse Schwierigkeiten.

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