Aufsatz 
Antritts-Rede des Direktors, gehalten am 2. Juli 1907 in der Aula des Königlichen Gymnasiums zu Dillenburg
Entstehung
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über jeder anderen Ueberzeugung, jedem ehrlich gemeinten Glauben, auch wenn er nicht der eigene Glaube iſt, die in echt vaterländiſcher Geſinnung die alte deutſche Treue, die Liebe zu Kaiſer und Reich, die Liebe zu König und Vaterland als etwas für den gebildeten Mann, für den guten Menſchen ſelbſtverſtändliches erachten. Und ſo ſchließe ich denn mit dem Wunſche, möge in dieſer Stätte des Unterrichts und der Erziehung unter der Jugend ſtets der Geiſt willigen Gehorſams walten, möge ſie ſtets leicht zu allem Guten gelenkt werden und zu den Idealen des Wahren und Schönen ſich führen laſſen und endlich mögen diejenigen, welche ihre Söhne dieſem Gymnaſium anvertrauen, ihm in jeder Hinſicht auch ihrer ſeits ihre Unterſtützung zuteil werden laſſen, damit aus dem rechten Zuſammenwirken von Haus und Schule die ſchönſten Früchte er⸗ wachſen.

Sollte es mir gelingen, in den oben gekennzeichneten Bahnen meine Schüler mit Ihrer tatkräftigen Hilfe, verehrte Amtsgenoſſen, und unter dem wohlwollenden Schutze meiner hohen Vorgeſetzten dahin zu bringen, daß ſie ſo hohe Ziele erreichen zur Ehre Gottes und zum Segen unſeres teueren Vaterlandes, dann will ich die Stunde ſegnen, an der ich die Leitung dieſer Anſtalt übernommen habe und will am Abend meines Lebens voll Dank gegen Gott ſagen: Ich habe nicht umſonſt gelebt!

Das walte Gott!