Aufsatz 
Antritts-Rede des Direktors, gehalten am 2. Juli 1907 in der Aula des Königlichen Gymnasiums zu Dillenburg
Entstehung
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der mit der Geſchichte dieſer freundlichen Stadt ſo eng verbunden iſt, und im vollen Bewußtſein deſſen, was dieſer feierliche Augen blick des Wechſels für das Leben der Schule, wie für mein eigenes Leben bedeutet, vermag ich nur ſchwer den mannigfachen Gedanken und Empfindungen, die durch meine Seele ziehen, einen kurzen und klaren Ausdruck zu verleihen. Zunächſt gedenke ich in Trauer dank bar des ſeitherigen Leiters dieſer Anſtalt, den der unerbittliche Tod in der Blüte ſeiner Jahre und ſeines Wirkens zu früh hinweg gerafft hat und der ihr lange in Ehren vorgeſtanden hat, voll Treue und Hingebung, voll Milde und Wohlwollen, ſeinen Amtsgenoſſen ein wohlwollender Vorgeſetzter, ſeinen Schülern ein fördernder Lehrer und wohlmeinender Berater, in weiten Kreiſen, wie ich bei ſeiner Beiſetzung wahrzunehmen Gelegenheit hatte, geachtet und beliebt. Möge ihm die Erde leicht ſein, und möge Gott ſeine ſchwer heim geſuchte Familie tröſten und in ſeinen ſtarken Schutz nehmen.

Ein Gefühl aber drängt ſich vor allen anderen mächtig hervor, das Gefühl des freudigen und doch demütigen Dankes gegen Gott den Herrn, den Geber alles Guten, der mich nach ſchweren perſönlichen Prüfungen und Heimſuchungen ſo gnädig geführt und mir das ſo verantwortungsvolle, aber auch ſo herrliche Amt verliehen hat, denen die rechten Wege zu weiſen, die das Vertrauen der Eltern als ihr köſtlichſtes Gut uns zuführt, auf die das Vaterland als auf ſeine Zu kunft mit gerechtem Stolz hinblickt und die berufen ſind, dereinſt die Geſchicke unſerer Nation mit beſtimmen zu helfen. Tiefes Dank gefühl erfüllt mich demnächſt für die Gnade Sr. Majeſtät, meines kaiſerlichen und königlichen Herrn, der mich an dieſe Stelle berufen hat, und für das Vertrauen der vorgeſetzten Behörden, die mich der Empfehlung für würdig erachtet haben.

Ihnen vor allen, hochverehrter Herr Prov.-⸗Schulrat, gilt mein ehrerbietiger Dank für die wohlwollende Beurteilung meiner bisherigen in engeren Kreiſen verlaufenen Tätigkeit und für die überaus freundlichen, von tiefer Weisheit erfüllten und mir die rechten Wege weiſenden Worte, mit denen Sie mich ſoeben im Auf⸗ trage des Kgl. Prov.⸗Schulkollegiums zu Kaſſel in meinen neuen Wirkungskreis eingeführt haben. Wodurch aber, hochverehrter Herr Prov.⸗Schulrat, könnte ich Ihnen die Aufrichtigkeit meines ehrer bietigen Dankes deutlicher zum Ausdruck bringen, als durch das feierliche und feſte Gelöbnis, das ich hiermit in Ihre Hände ab⸗