Aufsatz 
Geist, Ziele und Mittel der Gymnasialbildung / von Adalbert Becker
Entstehung
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grenzen wollte und deshalb in die einfache Bezeichnung derſelben nur vereinzelte didaktiſche Anweiſungen verflechten konnte. Der preußiſche Plan wählt ſehr oft abſichtlich einen ſehr maßvollen ſprachlichen Ausdruck, um zu verhüten, daß eine Lehraufgabe überſpannt wird. Wir ſtellen kurz einige Grundzüge des preußiſchen Gymnaſial lehrplans vom 31. März 1882 zuſammen, die bereits in dem heſſi⸗ ſchen Lehrplan vom Jahre 1877 enthalten ſind, und konſtatieren die geringen Verſchiedenheiten beider Pläne. Hinſichtlich der Zahl der Unterrichtsſtunden und der Verteilung der Unterrichtsgegenſtände auf die Klaſſen und die wöchentlichen Stunden derſelben brachte der preu⸗ ßiſche Plan folgende Beſtimmungen, die der heſſiſche Plan ſchon ſeit mehreren Jahren enthielt: 1. Beſeitigung des Mißſtandes, daß in den drei unteren Gymnaſialklaſſen je eine neue fremde Sprache in den Kreis des Unterrichts eingeführt wurde. Der preußiſche Plan läßt nun nach dem Vorgange des badiſchen und heſſiſchen Lehrplans den griechiſchen Unterricht in der Untertertia beginnen. Aber der heſſiſche Plan hat vor dem preußiſchen den Vorzug, daß er die zwei unterſten Klaſſen der Befeſtigung der lateiniſchen Formenlehre zuweiſt und das Franzöſiſche nicht, wie in Preußen, in der Quinta, ſondern erſt in der Quarta beginnt. Die heſſiſche Einrichtung bietet den Vorteil, daß die Sextaner und OQuintaner leichter ihre Klaſſen ab⸗ ſolvieren und bei genügendem Fleiße mit größerer Sicherheit auf ihre Verſetzung rechnen können. Dies iſt beim Beginn des Gymnaſial⸗ beſuchs eine Wohlthat für Schule und Haus, für Schüler und Lehrer. 2. Der preußiſche Plan ſieht in allen Klaſſen für die Naturkunde je zwei wöchentliche Stunden vor, wie es in Heſſen ſchon lange ge⸗ ſchah. 3. Der preußiſche Plan ſetzt in jeder Klaſſe die erforder⸗ liche Zahl der Stunden für Geſchichte und Geographie an: 3 Stunden in jeder Klaſſe, nur in Quarta 4 Stunden. Dieſelben Beſtimmungen enthält der heſſiſche Plan, mit der einen Ausnahme, daß Preußen in der Sexta für Geſchichte und Geographie 3 Stunden vorſieht, während Heſſen nur 2 Stunden für Geographie anſetzt. 4. Im preußiſchen Plane wird die Summe der in allen Klaſſen wöchentlich zu erteilenden mathematiſchen Stunden von 32 auf 34 erhöht. Der heſſiſche Plan hat dafür 35 Stunden, aber in der Sexta ſtatt der 4 Stunden des preußiſchen Plans nur 3 Stunden, hingegen in den beiden Tertien