Wenn heute von ſeiten eines Gymnaſiums über die Ziele und den Geiſt der Gymnaſialbildung geſprochen wird, ſo geſchieht dies vorwiegend in der Abſicht, um der Thätigkeit dieſer Schule vielleicht einen Dienſt zu erweiſen und um für die nächſten Kreiſe, die an dem Gedeihen der Gymnaſien Anteil nehmen, Verſtändigung in manchen Fragen herbeizuführen, die bezüglich dieſer Anſtalten und ihrer Wirkſamkeit erhoben zu werden pflegen; aber Neues wird ſolche Erörterung kaum ans Licht bringen, und wir können das, was wir empfehlen, faſt nur in Bruchſtücken darſtellen. Iſt es doch nicht einmal möglich, in dem engen Rahmen einer ſolchen Gelegen⸗ heitsſchrift die großen Begründer des deutſchen Gymnaſialweſens die⸗ jenigen Gedanken ausſprechen zu laſſen, in deren Wiederbelebung und Durchführung auch heute noch die Aufgabe unſerer Gymnaſien beſtehen ſollte. Wir ſind nur die Epigonen einer größeren Zeit; und alles Wertvolle, was jetzt über die Prinzipien und die Methode der Gym⸗ naſien gedacht und geſchrieben und hiernach in der Praxis angeſtrebt wird, iſt nur ein Bruchteil größerer Erziehungsideale der Vergangen⸗ heit. Und manche Neuerer verleugnen heute wohl gar die entſchei⸗ denden und tiefſten Gründe der von unſeren großen Vorbildern uns überlieferten Erziehung und Bildung.— Es verſteht ſich nun von ſelbſt, daß die vorliegende Arbeit die Berechtigung der von uns als eine Erbſchaft aus großer Vergangenheit bewahrten Gymnaſialbildung nicht erſt nachweiſt. Dieſelbe kann ja vielleicht ſchon dadurch erwieſen ſcheinen, daß in den Jahrzehnten, in denen die Gegner nicht müde wurden, den Gymnaſien, insbeſondere ihrem Betrieb der klaſſiſchen Studien, die Axt an die Wurzel zu legen, die Frequenz der früher
vorhandenen Gymnaſien ſtetig zunahm und neue Gymnaſien entſeandene Becker, über Gymnaſialbildung.


