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bürger erhoben, welche Aufmunterung für ihn, alle die Hoffnungen zu er⸗ füllen, die man von ihm gefaßt hatte, welcher Sporn für ein ehrliebendes Herz, ſich durch Verdienſte auszuzeichnen und die Tugenden zu üben, wo⸗ für man ihn durch jene Feierlichkeit begeiſtern wollte!*)
Erwägen wir außerdem, daß der römiſche Jüngling ſogleich nach der Buͤrgerweihe von dem Vater irgend einem durch Alter, durch Erfahrung und Einſichten ausgezeichneten Manne zugeführt wurde, um ſich unter deſ⸗ ſen Augen zu ſeiner Beſtimmung vorzubereiten, ſo mußten, bei den Ge⸗ fühlen und Empfindungen, die nun einmal bei ihm erweckt worden wa⸗ ren, die Folgen außerordentlich ſeyn. Er ſog in dem Umgange ſeines er⸗ babenen Muſters die Grundſätze der Weisheit ein; er eignete ſich deſſen Erfahrung an; er ward durch deſſen Thätigkeit frühe für ein arbeitſames, raſtloſes Leben gewonnen und erhielt auf dieſe Weiſe eine Bildung, die ihn fähig machte, nun bald ſelbſt öffentlich aufzutreten und von ſeinen Bemühungen Vater und Vaterland die Früchte erndten zu laſſen, wozu ſie den Samen in ſein Herz geſtreut hatten.
*) In den ſpäteren Deiten mußten die moraliſchen Wirkungen der römiſchen Bürgerweihe im Ganzen weit ſchwächer geweſen ſeyn. Die Erziehung wurde vernachläſſigt und das jugendliche Herz edler und gretzer Eindrücke weniger em pfänglich; der römiſche Jüngling ſah viele ſeiner Mitbürger auf ehrleſem Wege zu Anſchen und Einfluß ge⸗ langen und fand darin zu einem verdienſtlichen Leben wenig Aufmunterung; bei dem erkalteten Patriotismus nahm man unfehlbar keinen oder höchſtens nur kalten und durch Neugierde und Schmeichelei veranlaßzten Antheil an der Feierlichkeit— lauter Hinder⸗ niſſe ihres Eindrucks, der in der früberen Periode bei den meiſten Jünglingen deſto gerriſſer erfolgen mußte, jemehr von den genannten Fehlern und Gebrechen das Ge⸗
gentheil herrſchte.— Warum haben jetzt in ausgearteten Städten die Konfirmationen ſo viel von ihrer Wirkſamkeit verloren?
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