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seiner Jugendzeit unendlich erhaben. Da richtet sich der kleine Herr mit einem Ruck in die Höhe, die Augen funkeln hinter den Brillengläsern, und mit erhobener Stimme ruft er den Studenten zu:„Lachen Sie nicht, meine Herren; es ist keine Kleinigkeit, ein Dichter zu sein der deutschen Jugend!“ Mit diesem Wort im Ohr und im Herzen enden wir unsern Spaziergang und liefern die Tarnkappe wieder ab.—
Lasset auch Ihr es Euch gesagt sein, Ihr deutschen Jungen und deutschen Jünglinge: Es ist keine Kleinigkeit, ein Dichter zu sein der deutschen Jugend! Laßt Euch den Glauben an Euern Schiller nicht rauben; denn er ist Euer. So sicher Ihr dereinst, wenn das Alter auch Eure Haare bleicht, im Herzen sollt jung geblieben sein, so sicher sollt Ihr die Liebe zu dem Dichter Euch erhalten haben, dem die Wange rot und röter glühte von jener Jugend, die uns nie entflieht. Ihr werdet in Eurer äußern Umgebung seine Feinde finden, die ihn verunglimpfen oder verspotten wollen, Diener des Wirklichen, denen real nur die Formen des modernen Lebens scheinen, die in der Kunst nicht das Schöne, nicht die Verklärung des Daseins, nur das Charakteristische oder Interessante, nur die treue Wiedergabe des Erlebten suchen. In dieser Einseitigkeit werden sie gegen Schiller ungerecht. Es liebt nun einmal die Welt, das Strahlende zu schwärzen und das Erhabene in den Staub zu ziehen. Glaubt ihnen nicht! Sie glauben meist sich selber nicht. „Schon manche Geister, die mit ihm gerungen, Sein groß' Verdienst unwillig anerkannt, Sie fühlen sich von seiner Kraft durchdrungen, In seinem Kreise willig festgebannt.“ Vielleicht regt sich auch in Eurem eigenen Inneren einmal ein Feind wider ihn. Auch an Euch wird der Kampf des Lebens herantreten. In all dem Lärm und all der Hast wird es auch Euch in Haupt und Herz heiß werden. Dann will's Euch wohl einmal so scheinen, als ob im Leben dennoch andere Mächte herrschen, als die, denen Schillers Muse dient. Dann seid Ihr in Gefahr, an ihm irre zu werden, als sei er doch mit seinen Idealen eigentlich ein weltfremder Träumer. Und gerade dann, wenn Ihr Euch selbst verlieren wollt, verliert nicht ihn, daß er Euch halte! Vergesset über kleinen Mängeln, wie sie allem Menschlichen, auch dem Bedeutendsten anhaften, nicht das Große und Erhabene an ihm! Zu hoch könnt Ihr den Herrlichen nimmer einschätzen. Und wirft man Euch ja einmal vor, daß Ihr ihn für zu groß erachtet, so erwidert mit seinem Freunde Dannecker, der seine Büste über Lebensgröße gestaltet hatte:„Schiller muß so groß sein.“ Glaubt es wie jetzt, so immerdar: Wer unsern deutschen Schiller nicht ehrt, der ist des Namens Deutscher nicht wert.
Wir Alteren aber haben das erfüllt, was Ihr erst leisten sollt. Uns glüht im Innern noch dieselbe Flamme der Begeisterung ungelöscht und ungeschwächt, die er in unseren jungen Jahren in uns entzündet hat. Wir gedenken heute eines Wortes von Iffland, der ihn auch erst verlästerte, um ihn dann zu vergöttern. Er schrieb ihm, als er den Tell kennen gelernt:„Welch ein Werk! Welche Fülle, Kraft, Blüte und Allgewalt! Gott erhalte Sie. Amen!“ Indem wir noch einmal den Blick dahingleiten lassen über alles, was Schiller erlebt und getan, ersonnen und gedichtet hat, rufen auch wir aus: Welch ein Werk! Welche Fülle, Kraft, Blüte und Allgewalt! Gott erhalte uns den Glauben an unseren Schiller. Amen!


