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Am 26. Sept. folgte die mündliche Prüfung, bei welcher als Kommiſſar der Königl. Staats⸗ regierung Herr Regierungs⸗, Schul⸗ und Konſiſtorialrat Riſch von Wiesbaden, als Vertreter des Kuratoriums Herr Landrat Graf v. Schwerin in Weilburg fungierte. Beiden Abiturienten wurde das Zeugnis der Reife(mit der wiſſenſchaftlichen Befähigung für den einjährig⸗freiwilligen Militär⸗ dienſt) einſtimmig zuerkannt.
Am 29. Sept. fand die öffentliche Schlußprüfung für das Sommerſemeſter ſtatt, deren Ordnung folgende war:
Vormittags 9 ¾— 12 Uhr:
V: Franzöſiſch— Krausbauer, Rechnen— Ketter;
IV: Latein— Gotthardt, Naturkunde— Dr. Henkelmann;
III: Latein— Dr. Ottmann, Geometrie— Dr. Kienitz⸗Gerloff.
Nachmittags 2 ½— 4 Uhr:
II: Botanik— Dr. Kienitz⸗Gerloff, Deutſch— der Direktor.
I: Betriebslehre— Dr. Henkelmann, Chemie— Dr. Nauhaus.
Am 50. Sept. wurde das Sommerſemeſter mit dem Cenſur⸗ und Verſetzungsakt geſchloſſen.
Vom 1. bis zum 11. Okt. danerten die Herbſtferien.
Das Winterſemeſter 1885/86 begann für die Hauptſchule mit der Aufnahmeprüfung am 12. Okt., für die Winterſchule am 3. Nov.
Vom 24. Dez. bis zum 6. Jan. 1886 dauerten die Weihnachtsferien.
Am 7. Jan. 1886 wurde die Morgenandacht mit einer Nachfeier des fünfundzwanzigjährigen Regierungsjubilänms Sr. Majeſtät des Königs verbunden; die Anſprache an die Schüler hielt der Direktor. Am Schluß der Feierlichkeit empfing der Schüler Ludwig Meyen(I) als Prämie den dritten Teil von Stadelmanns Werk„Preußens Könige in ihrer Thätigkeit für die Landeskultur“ (Publikationen aus den Preußiſchen Staatsarchiven XXV. Band), welchen Se. Excellenz der Herr Miniſter für Landwirtſchaft, Domänen und Forſten der Anſtalt zu dieſem Zwecke übernieſen hatte.
Zur Entlaſſungsprüfung für das Winterſemeſter 1885/86 haben ſich 7 Schüler der I. Klaſſe gemeldet und die Zulaſſung erhalten. Die ſchriftliche Prüfung iſt auf den 2.—6. März, die mündliche Prüfung auf den 29. März feſtgeſetzt. Über den Ausfall derſelben kann erſt im nächſt⸗ jährigen Programm berichtet werden.
Das Betragen der Schüler war auch in dieſem Schuljahre meiſtens zufriedenſtellend, eine Verweiſung von der Anſtalt iſt nicht vorgekommen.
Die Schüler der I. und II. Klaſſe waren auch für dieſen Winter zu den Vergnügungen der hieſigen Kaſinogeſellſchaft eingeladen, wofür der verehrlichen Geſellſchaft der ergebenſte Dank der Anſtalt ausgeſprochen wird.
Die Themata für die größeren ſchriftlichen Arbeiten der Schüler waren folgende:
Deutſche Anffätze. III. 1. Warum zürnte Achilleus dem Agamemnon?— 2. Der Zweikampf zwi⸗ ſchen Paris und Menelaos.— 3. Womit ſegneten die griechiſchen Götter die Menſchen nach Annahme des Ackerbaus (nach dem Eleuſiſchen Feſt von Schiller)?— 4. Die Parteiſtellung eines Gottes oder einer Göttin in der Ilias tnach eigener Wahl der Schüler).— 5.„Das eben iſt der Fluch der böſen That, daß ſie, fortzeugend, immer Böſes muß gebären“, nachgewieſen an Beiſpielen aus der griechiſchen Sage(Probearbeit).— 6. Was erzählt die Odyſſee über den Ausgang des trojaniſchen Krieges?— 7. Menelaos Heimfahrt.— 8.„Man ſoll den Tag nicht vor dem Abend loben“, gezeigt an Beiſpielen aus der alten Geſchichte.— 9. Hat Nepos recht, wenn er ſagt:„Vietus est Xerxes magis consilio Themistoclis quam armis Graeciae“?— 10.„Et facere et pati fortia Romanuma, durch Beiſpiele bewieſen.— 11. Probearbeit.
II. 1. Der Tod des Tiberius(nach Geibel).— 2. Ein Held des Nibelungenliedes(nach eigener Wahl der Schüler).— 3. Welche Tugenden zeigt der Cid ſeinen Königen gegenüber?— 4. Tell und Stauffacher, eine Vergleichung— 5. Die Befreiung der Ürkantone, nach Schillers Tell(Probearbeit).— 6. Die Verſöhnung Philipps von Burgund mit Karl VII. in Schillers Jungfrau von Orleans.— 7. Inwiefern hat Götz von Berlichingen in ſeinem Verhalten gegen Kaiſer und Reich Recht und Unrecht?— 8. Herzog Alba in Göthes Egmont.— 9. Ge⸗ ſchichte der Maria Stuart, nach Schiller.— 10. Der Charakter des Königs Philipp in Schillers Don Carlos.— 11. Probearbeit.
6 I. 1. Die Unterredung Wallenſteins mit Wrangel, nach Schillers„Wallenſteins Tod“ I, 5.— 2. Dispo⸗ ſition und Gedankengang in der Klopſtockſchen Ode„Der Zürcher Sce“.— 3. Der Chevalier Riccaut de la Mar⸗ liniere, eine Charakterſchilderung nach Leſſings„Minna von Barnhelm“.— 4. Dispoſition und Inhalt des Liedes


