Aufsatz 
Proben einer Übersetzung von Cäsar's gallischem Krieg / von R. Zwirnmann
Entstehung
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was sie zu thun hatten, und die Vorsicht Cäsars, welcher den einzelnen Legaten untersagt hatte, sich von der Schanzarbeit und von ihren Legionen zu entfernen, bevor das Lager befestigt sei. Diese warteten bei der raschen Annäherung der Feinde gar nicht erst auf Cäsars Commandowort, sondern ergriffen auf eigene Hand die ihnen zweckmässig scheinenden Massregeln.

21. Cäsar eilte nach Erlass der nothwendigsten Befehle zu einer Truppenabtheilung, welche ihm der Zufall entgegenführte, um Worte der Ermuthigung an seine Krieger zu richten, und stiess auf die zehnte Legion. Er ermahnte die Soldaten in einer kurzen Ansprache, ihrer oftbewährten Tapferkeit zu gedenken, sich nicht entmuthigen zu lassen und den Stoss der feindlichen Massen unerschrocken auszuhalten; zugleich gab er das Zeichen zum Angriff, da der Gegner sich bereits auf Schussweite genähert hatte. Hierauf eilte er zu einer anderen Abtheilung, um ihr gleichfalls Muth einzusprechen, fand sie aber bereits im Gefecht. Die Augenblicke waren so knapp und die Feinde so kampfbereit, dass die Zeit fehlte, um die Helmverzierungen anzulegen, ja selbst um die Helme aufzusetzen und die Ueberzüge von den Schilden herabzureissen. Jeder Soldat stellte sich bei der Truppenabtheilung auf, zu welcher er, von der Schanzarbeit hinwegeilend, zufällig gerieth, und bei den Feldzeichen, welche er zuerst gewahrte, um nicht bei dem Aufsuchen der seinigen die Zeit zum Kämpfen zu verlieren..

22. So ordnete sich das Heer zur Schlacht, mehr wie es die Beschaffenheit des Bodens, die Senkung des Hügels und der Drang des Augenblicks, als wie es die Grundsätze und Aufstellungsregeln der Kriegskunst erforderten. Die Legionen hatten die Verbindung verloren; die einen warfen sich hier, die anderen dort dem Feinde entgegen; die oben erwähnten dichten Verzäunungen, welche sich zwischen ihnen befanden, versperrten die Aussicht, und es war daher unmöglich, Verstärkungen nach bestimmten Punkten zu entsenden, die an jeder einzelnen Stelle des Gefechtsfeldes erforderlichen Massregeln anzuordnen und die Gesammtleitung in eine einzige Hand zu legen. Unter so ungünstigen Umständen wechselten natürlich auch die Ergebnisse des Kampfes.

23. Die auf dem linken Flügel unserer Stellung befindlichen Soldaten der neunten und zehnten Legion schleuderten ihre Wurfspeere, jagten die Atrebaten, welchen jener Theil des Gefechtsfeldes zugefallen war, und welche in Folge des Anlaufs und der Ermüdung ausser Athem gekommen und von Wunden erschöpft waren, von der Anhöhe rasch in den Fluss hinab, verfolgten sie mit den Schwertern, als sie hinüberzugehen versuchten, und machten eine grosse Zahl der Fliehenden fast ohne Gegenwehr nieder. Ohne Bedenken überschritten sie dann ihrerseits den Fluss und trieben die Feinde, welche sich wieder zum Gefechte ordneten, in einem erneuerten Kampfe zur Flucht, obwohl sie in eine unvortheilhafte Stellung gerathen waren. Ebenso drängten an einer anderen Stelle zwei von einander getrennte Legionen, die elfte und achte, die Viromanduer, mit denen sie handgemein geworden waren, von dem Berghange hinab und kämpften dicht an den Ufern des Flusses weiter. Dabei war jedoch fast unser ganzes Lager auf seiner Stirnlinie und linken Seite ohne Deckung geblieben, während auf dem rechten Flügel die zwölfte und in geringer Entfernung von ihr die siebente Legion aufmarschirt war. Gegen diesen Punkt unserer Stellung drangen jetzt die vereinten Nervier in dichtgeschlossenen Massen unter Anführung ihres Oberbefehlshabers Boduognatus vor; der eine Heerhaufe suchte die Legionen an der offenen Seite zu umfassen, der andere eilte nach dem Gipfel des Hügels, auf welchem sich unser Lager befand.

24. In demselben Augenblicke kehrten unsere Reiter und die mit ihnen vereinten leichtgerüsteten Fusssoldaten, welche, wie gesagt, bei dem ersten Angriff des Gegners zersprengt worden waren, in