Aufsatz 
Einfluß der Insekten auf die Befruchtung der Pflanzen
Entstehung
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Einfluß der Inſekten auf die Befruditung der Pflanzen.

Alle Naturdinge stehen in beständiger und unzertrennlicher Wechselbeziehung; die Existenz eines jeden ist durch die Existenz anderer bedingt. Kein Wesen kann in seiner Ent- wicklung der Mitwirkung und Hülfe anderer entbehren; ein jedes ist das Produkt zweier Faktoren: seiner innern, individuellen Anlage und seiner äusseren Umgebung. Wie kein Or- ganismus durch sich allein bestehen kann, so kann auch keiner aus sich allein verstanden werden; ein jeder will durch andere erklärt sein, das Thier durch die Pflanze, die Pflanze durch das Thier u. 8s. w.

Von allen Wirkungen, welche von animalischen Wesen ausgehen, sind keine ver- breiteter und vielseitiger, als die der Insekten. So klein letztere auch im einzelnen sind, so verschwindend auch die Kraftäusserungen des Individuums sein mögen, so bilden sie doch durch ihre ausserordentliche Menge eine gewaltige Masse von entsprechend gewaltiger Wirkung. Kerfe gibt es überall, in der Luft, im Wasser, auf und in der Erde. Dabei ist jeder Theil dieser ungeheuren Menge ein verhältnissmässig äusserst thätiger und wirkungsvoller. Daher ist aber auch die Aufgabe, den Einfluss der Insekten nach allen Richtungen hin zu verfolgen und aus den unzähligen Einzelwirkungen ihre Gesammtleistungen festzustellen oder auch nur an- nähernd mit denjenigen anderer Naturgewalten abzuschätzen, eine ungemein schwierige. In- dessen ermöglichen die gewonnenen Resultate, trotz ihrer Unvollständigkeit, einen so tiefen Einblick in das Walten der Natur, sie liefern so schöne Beispiele der bedeutsamen Wechsel- wirkung aller Organismen, dass sie nicht verfehlen können, das Interesse eines jeden Ge- bildeten zu fesseln. In Nachfolgendem versuchen wir den Einfluss, den die Insekten auf die Befruchtung der Blüten haben, etwas näher zu betrachten und durch Beispiele zu erläutern.

Der Hauptzweck der Lebensthätigkeit der organischen Körper, somit auch der Pflanzen, ist die Erhaltung der Art, also die unaufhörliche Erneuerung des Individuums(Fortpflanzung und Vermehrung). Die Erzeugung des Embryo und Ausbildung des Samens geschieht durch den Akt der Befruchtung. Bei den Blütenpflanzen sind die Befruchtungsorgane zur Blüte ver- einigt. Sie sind a Kelch; b. Blumenkrone; c. Staubblätter oder Staubgefässe; d. Fruchtblätter oder Stempel. Der Kelch ist meist grün gefärbt, zuweilen auch schönfarben. Er bildet die äusserste Hülle der Blüte. Die Blumenkrone hat mannigfache Gestalt und Farbe, ist von zarter Beschaffenheit und umschliesst die eigentlichen Befruchtungswerkzeuge, die Staub- und Fruchtblätter. Der stielartig verdünnte Theil des Staubblattes heisst Staubfaden und trägt den wesentlichen Theil, den Staubbeutel(Anthera), in welchem sich der Blütenstaub(Pollen) ent- wickelt. Den Mittelpunkt der Blüte nehmen die Fruchtblätter ein. An dem Fruchtblatte unterscheidet man den untern, in der Regel verdickten Theil, den Fruchtknoten. Er enthält