Bemerkungen zur Methodik des lateinischen Unterrichts.
.... Si quid novisti rectius istis, Candidus imperti! Si non, his utere mecum! Hor. epist. I. 6, 67— 68.
Wenn die nachfolgenden Zeilen die nicht geringe Zahl von Abhandlungen, welche die Methodik des lateinischen Unterrichts zum Gegenstand haben, um eine vermehren, so sollen sie keineswegs mit dem Anspruche des Verfassers in die Oeffentlichkeit treten, ausschlieszlich das Richtige und Maszgebende getroffen zu haben, sondern lediglich mit dem bescheidenen Wunsche, als ein kleiner Beitrag zu der Beantwortung der Frage, wie der lateinische Unterricht überhaupt am zweck- dienlichsten einzurichten und wie namentlich Uebungen auf phraseologischem Gebiete in denselben zu ziehen seien, mit der gleichen Liebe für die Sache aufgenommen zu werden, aus welcher sie hervorgegangen sind. Ein Fortschritt da, wo Verbesserungsvorschläge angebracht sind und erstrebt werden müssen, wird wesentlich dadurch erreicht, dass die Fachgenossen ihre Erfahrungen und gewonnenen Urtheile mittheilen und durch den Austausch derselben Anregung geben und auch finden. In dieser Ueberzeugung glaubt der Verfasser die zum gröszten Theil in dem natürlichen Wirkungskreise des Lehrers gemachten Beobachtungen und Erfahrungen den Herren Amtsgenossen vorlegen zu dürfen, ohne die Bemerkung weiter auszuführen, dass bei solchen Erörterungen durch apriorische Deductionen allein wenig gewonnen werden kann, dass vielmehr die Praxis der Schule der Boden ist, auf dem sich ein sicheres Fundament legen und ein solider Aufbau errichten lässt.
Es ist ein längst überwundener Standpunkt, den altsprachlichen Unterricht der höheren Lehranstalten dahin zu definiren, dass er in erster Linie als eine Vorbildung für künftige Philo- logen anzusehen sei. Es handelt sich vielmehr zunächst um eine Anspannung und Kräftigung des bildungsfähigen Geistes der Zöglinge unserer Gymnasien, die im eigentlichen Sinne des Wortes als geistige Ring- und Bildungsschulen angesehen werden sollen und müssen. Entspricht der Unterricht den hiermit ausgesprochenen Zielen, so können unsere Schüler nach Abschluss ihrer Gymnasiallaufbahn mit einem Schatze gediegener formaler Bildung ausgerüstet und zu freier Selbst-


