Aufsatz 
Über den Wert des lateinischen Unterrichtes in der Realschule
Entstehung
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Noch eine Bemerkung haben wir denn doch zum Schluss an die Schulmänner zu richten, und zwar an diejenigen, welche die Vertheilung des lateinischen Unterrichts- stoffes, wie ihn gegenwärtig der Lektionsplan der Realschule darbietet, so ganz unzweck- mässig und keine Erfolge versprechend finden. Das Latein ist, wenn man die Zahl der Lektionen von Sexta bis Prima addirt, der meist begünstigte Unterrichtsgegenstand; gleich nach ihm kommt die Mathematik. Das Latein ist aber so vertheilt, dass es in den unteren Klassen am Stärksten vertreten ist und in fallendem Klimax nach Oben hin abnimmt; der Sextaner hat 8, der Primaner nur 3 vöchentliche Stunden. Daraus folgt, sagt man, dass der Schüler, sobald er erst die geistige Reife erlangt hat, welche ihn zum Genuss antiker Schriftwerke befähigt, sich in seinen berechtigten Erwartungen getäuscht sieht: man setzt ihn nun auf die magere Kost von 3 Lektionen, lässt ihn etwas Weniges im Nepos, Caesar, Livius lesen; er sieht von der mühevollen Aussaat der früheren Jahre keine Frucht; er hat sich durch das Urwaldsgestrüpp der Grammatik durchgearbeitet, um in eine Wüste zu gelangen, und eine halbe oder eine Viertelsgelehrsamkeit, die weder Fisch noch Fleisch ist, zu erreichen. Wie ganz anders ist es da auf dem Gymnasium! Da folgenauf die dürren Jahre die fetten. Machen wir also die Realschule I. Ordnung zum Gymnasium oder zur Bürgerschule ohne Latein! dann ist allen Interessen gedient!

Wir verstehen diese Ansicht, insofern sie den einseitigen historisch-philologischen Standpunkt geltend macht, den wir eben nicht für den richtigen halten. Lateinische Literaturkenntniss kann man sich freilich auf der Realschule nicht erwerben; eine solche wird aber auch nicht bezweckt; der begabte fleissige Realschulabiturient wird sich so viel Kenntnisse angeeignet haben, dass er, wenn er den Trieb hat, mit Hülfe eines Kommentars nicht allzuschwere lateinische Schriftsteller, wie Sallust, Cicero, Ovid, privatim zu lesen vermag. Hat er in seiner Schulzeit das Latein nur zur Förderung seiner allgemeinen, d. h. seiner intellektuellen, Bildung getrieben und ist er verständig genug, den Antheil, welchen die Kenntniss nicht der lateinischen Literatur, sondern der lateinischen Sprache, an der Ausbildung seines Denkvermögens nimmt, zu merken und seinem Werth nach zu schätzen, so sehen wir nicht ein, warum er sich nicht an den Fortschritten freuen soll, die er während der lateinischen Stunde in der Logik, im Deutschen, im Latein, im Französischen u. s. w. u. S. W. macht. Besser und vortheilhafter wäre es freilich, wenn Lateinisch und Griechisch wie im Gymnasium getrieben und ausserdem noch das Pensum der Realschule abgeleistet werden könnte. Dazu fehlt aber die Zeit. Wir geben daher dem Latein eine grössere Stundenzahl nur da, wo es durchaus nicht zu entbehren und durch nichts Anderes(wie ich oben dargethan zu haben glaube) zu ersetzen ist: in den unteren Klassen. Wir haben dadurch allerdings den nicht zu verkennenden Nachtheil, dass der Realschule ein zentrales

Unterrichtsfach, wie es die klassischen Sprachen auf dem Gymnasium bilden, innerhalb ihres 2