Ueber den Werth des lateinischen Unterrichts in der Realschule.
Von I. E. Zaubitz.
Das Ziel muss man früher kennen, als die Bahn. Alle Mittel und Künste der Erziehung werden erst von dem Ideale oder Urbilde der- selben bestimmt. Jean Paul.
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Die Stellung des Lateinischen in der Realschule ist eine pädagogische Materie, welche in den letzten 30 Jahren die verschiedensten Beurtheilungen und Kundgebungen veranlasste; trotzdem hat die Lateinfrage, welche in innigster Verbindung mit der sogenannten Real- schulfrage steht, in dem Bewusstsein der Fachmänner bis heute keinen irgendwie genügenden Abschluss erreicht; sehr richtig bemerkt der Director des Realgymnasiums in Köln:„Zunächst hoffen wir, dass das Unterrichtsgesetz wenigstens in dem Theile, welcher sich auf Gymnasien und Realschulen bezieht, noch nicht so rasch zu Stande komme. Wir hoffen es; denn zu einem Abschluss durch einen legislatorischen Akt ist die Realschulfrage in der That noch nicht reif.“*) Der Inhalt der Realschulfrage ist nun der, welche Stellung die Realschule I. Ordnung und die altpreussische höhere Bürgerschule(welche nichts Anderes ist, als eine Realschule I. Ordnung mit fehlender Prima) einerseits dem Gymnasium gegenüber und andererseits der Realschule II. Ordnung und der gehobenen Elementar- oder Bürgerschule gegenüber einnimmt und wie sich diese Anstalten zu Universität und Polytechnikum ver- halten? Die pädagogische und wissenschaftliche Bedeutung der alten Sprachen kommt
*) p. 51 der Schrift: Gymnasium und Realschule I. Ordnung. Von Dr. Oskar Jäger. Mainz, 1871. Wir führen diese sehr lesenswerthe Schrift an, ohne ihren Standpunkt uns vollkommen aneignen zu können.


